Wenn du bei Nacht zum Himmel schaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne.                                                                                                      Cordula Ziebell

Dank- und Abschiedsfeier für ein zartes Leben
(Fehl- und Frühgeburten)

Ort: möglich in Kirche, Friedhofshalle
Zeit: unmittelbar vor der Bestattung
Ausführende: Priester, Diakon, Bestatter, Freunde

.

Alle sitzen um den schwarz gedeckten Altar oder eine mit schwarzen Tüchern ausgelegte Mitte.
Sehr ruhige getragene Musik im Hintergrund, auch während des eröffnenden Textes

Eröffnung:
Wie ein schwerer Schleier dunkler Nacht legt die Traurigkeit sich über uns.
Es macht uns traurig, dass n.N. uns nur für ein paar Monate geschenkt war.
Kurz wie eine Sternschnuppe hat er/sie aufgeleuchtet –
aber auch so hell und begeisternd.
n.N., wie gern hätten wir dich bei deinem Namen gerufen.
Wie gerne deine Stimme gehört, wie gerne deinen Atem gespürt,
wie gerne in deine Augen gesehen!
Statt dessen können wir uns jetzt nur gegenseitig anschauen und schweigen,
weil uns die Worte fehlen zu trösten.
Vielleicht aber schafft es jener alte Mann in der Geschichte,
die wir uns jetzt anhören:

Trostgeschichte:
Der alte Mann begrüßt mich, als wenn er mich schon lange kennt. „Setz dich doch zu mir!“ bittet er mich. Und er schaut mich mit langem und ruhigem Blick an. Meine Augen füllen sich mit Tränen. „Was macht dich so traurig“, will er wissen.
„Geht es n.N. gut?“ frage ich ihn. Plötzlich wispelt und knispelt es um uns herum – wie von tausend Stimmchen. Zahlreiche Kinderseelen huschen wie farbenfrohe Lichter durch den Garten.
(
Auf den schwarz gedeckten Altar werden bunte Papiersterne gelegt und jeweils ein Teelicht.)

Sie schwirren durcheinander und sind auch schon wieder verschwunden. Da sagte der alte Mann zu mir: „Weißt du jetzt wie es deinem Kind geht? Ich wußte jetzt, daß es ihm gutgeht und er/sie nicht alleine ist.
Trotzdem fragte ich weiter unter Tränen: „Warum? Warum mußte n.N. sterben?“ „Das“ so sagte der Hüter der Kinderseelen „das begreifen wir Menschen nicht!“ Aber er gab mir ein kleines Päckchen mit roter Schleife.
(
Den Eltern wird ein solches Päckchen überreicht mit einer kleinen Kerze als Inhalt.)

So sitzen wir noch eine Weile auf der Bank und schweigen.
Dann sagte er zu mir: „Jetzt ist es Zeit weiterzugehen!“
Ich wollte wissen, was er mir mitgegeben hat. Im kleinen Päckchen lag eine kleine Sternschnuppe, auf ihr stand geschrieben: So hell hat n.N. geleuchtet – und so kurz!

Gebet:
Lasst uns beten:
Gott, was wir festhalten wollen entgleitet uns, was wir besitzen wollen geht uns verloren,
was wir erhofft haben hat sich verweigert, was wir erträumt haben zerrann,
was geboren wurde ist tot.
Wir schauen in die Nacht unserer Traurigkeit und brauchen dich,
dass du uns Sterne in die Dunkelheit schickst, die die Nacht durchbrechen,
hinein in eine Welt, in der wir die Liebe wiederfinden,
die n.N. werden ließ und ihn/sie trug,
und die ihn/sie halten soll für Zeit und Ewigkeit. Amen

Wort Gottes (Jes 8)
Ihr blickt nach oben und blickt zur Erde. Aber überall seht ihr nur Not, Finsternis und beängstigendes Dunkel. Doch die Finsternis wird verscheucht; wer jetzt in Not ist, bleibt nicht im Dunkel. Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht.
(
Den anwesenden Verwandten wird vom Altar jeweils ein Stern und ein Licht gereicht, das sie an einer Kerze entzünden.)

Bitten:
Still wollen wir im Geiste unsere Bitten auf unsere Sterne legen, damit Gott uns ein Licht aufleuchten lasse für n.N. und für uns.
All unsere Bitten, Hoffnungen, Wünsche und Sehnsüchte lasst uns zusammenfassen mit dem Gebet, das Gott uns gelehrt hat: Vater unser....

(Segen)

Mit den Lichtern und den Sternen in der Hand ziehen die Anwesenden zum Sarg. Die Sterne und die damit verbundenen guten Wünsche werden mit dem Sarg ins Grab gelegt.

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In unseren Herzen verwurzelt

Dankandacht für das Leben am Tag des Abschieds

                                                                       c Thomas Schmid

Vorüberlegungen

Sie waren fast voll, die neun Monate der Schwangerschaft. Alles lief so gut. Die Sehnsucht wuchs, die Zukunft blühte, die Freude erfüllte die Herzen all jener, die auf  das Baby warteten.

Dann aber kam alles ganz anders: das Herz des/der kleinen N.N. hörte auf zu schlagen. Er/sie starb vor seiner/ihrer Geburt. Im Wissen der Medizin und im nüchternen Denken war N.N. tot. Im Fühlen der Eltern und Verwandten und in den Herzen der Menschen, die ihn/sie liebevoll in dieser Welt begrüßen wollen, lebt N.N.. N.N. wird von seiner/ihrer Mutter zur Welt gebracht. Feinfühlige Menschen im Krankenhaus begleiten die Geburt und bahnen Wege für die Zeit, in der diese Dank- und Abschiedsfeier ihren Platz findet. Das Abschiednehmen geschieht sehr bewusst und gut, bis dahin, dass die Mutter ihr Kind selbst in den Sarg legt, den wir heute gemeinsam zu Grabe tragen. Ein Abschiedsbrief füllt diese schwere Stunde mit den Gedanken der Eltern, die jetzt nicht mehr auszusprechen sind; sie werden vorgelesen.

In der Mitte der Feier steht als Symbol ein Baum. Zunächst ist er Zeichen des Lebens, das man N.N. wünscht - so oder so. Dann hat er auch einen wichtigen Bezug zur Zeit vor der Geburt: Eltern gestalten meist vor der Geburt das Haus und den Garten so um, dass sie mit dem Neugeborenen ein schönes Zuhause haben . „Da jetzt alles so ist, wie es nicht hätte sein sollen“  soll „wenigstens“ im Garten ein Erinnerungsbaum für N.N. gepflanzt werden.

Dieser Baum soll in dieser Feier auch zum Symbol des bleibenden Lebens des/der kleinen N.N. gedeutet werden und er soll so in allen Fragen und Unverständlichkeiten daran erinnern, dass Gott uns stark macht, ganz im Sinne eines von der Mutter gefundenen Wortes von Ruth Bell Graham:

„Als Mutter habe ich die Aufgabe, mich um das zu kümmern, was möglich ist, und das Unmögliche Gott anzuvertrauen“


Vorbereitungen

  • Stuhlkreis
  • Symbolbaum oder ein echter Baum
  • Kerzen zu den Fürbitten, die in oder um den Baumgestellt werden.
  • Abschiedsbrief der Eltern
  • Musik
  • Texte

Alle sitzen im Stuhlkreis
In der Mitte des Stuhlkreises ist absichtlich „Leere
der Gottesdienstleiter begrüßt die Anwesenden

Liebe Schwestern und Brüder,

in kleinen Kreis ihrer Familie und Freude müssen wir uns jetzt treffen, um einerseits unseren tiefen Dank für die Lebensmonate von N.N. zu sagen, andererseits Abschied zu nehmen von N.N. und sie zu ihrem Grab zu begleiten.

Die Mitte unseres Denkens (Wurzel und Baumscheibe)

 

Was uns fehlt in unserer Runde ist die Mitte!

Plötzlich war da eine Leere, an die man nicht glauben kann.

Es ist die Leere, die eigentlich unsere kleine Eva ausfüllen sollte.

Sie hätte in unserer Mitte wachsen und reifen sollen.

Wir alle haben ihr ein Leben gewünscht, reicht an Jahren,

beschenkt mit vielen Jahresringen, wie ein starker Baum.

 

Eine Baumscheibe

mit deutlich sichtbaren Jahresringen

 wird in die Mitte gelegt

 

Nun aber hat der Tod Eva aus unserer Mitte genommen. Unsre Hände, die sie gehalten und gestreichelt haben, sind leer und wir müssen das Sichtbare ihres Lebens hergeben.

 

Das Unsichtbare mit dem sie uns in den letzten Monaten, Tagen und Stunden beschenkt hat, das soll bleiben. Die liebevollen Stunden der Nähe sollen sich tief in unsere Herzen einwurzeln. Denn Hergeben heißt nicht vergessen.

 

Eine braunes Tuch

und eine Wurzel wird unter die Baumscheibe

 wird in die Mitte gelegt

 

Dankgebet

 

Gott, himmlischer Vater,

dankbar denken wir jetzt und unser Leben lang an unsere menschgewordene Liebe: Eva.

Aus der Liebe und dem Leben zweier Menschen ist sie geworden. Freude hat sie geschenkt und viele Träume in unsere Herzen gelegt.

Auch wenn wir heute nicht begreifen warum das alles so sein muss, wie es geworden ist, sagen wir dir trotzdem Dank dafür, dass du sie uns geschenkt hast, dass wir sie spüren und erleben durften und dass wir sie in den zurückliegenden Tagen auch noch kennen lernen durften von Angesicht zu Angesicht. Wir danken dir für die Schönheit, die du ihr gegeben hast: für die kleinen roten Lippen, für ihr fertiges schönes Gesicht, für ihre dichten schwarzen Haare, ihre zarten langen Finger ... für ihre wundervolle Erscheinung.

Dass wir sie in Armen halten durften dafür danken wir. Und wenn wir sie schon so schnell wieder hergeben müssen, dann hilf uns, dass wir sie immer in unseren Herzen behalten, heute und an allen Tagen unseres Lebens.

 

Amen.

 

 

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