Ohne Dich......

eine Meditation nach dem Tod eines Kindes,
eine Meditation zur Weihnachtszeit,
zum Heiligen Abend.

Ein Wort im Voraus

Diese Zeit der Besinnung am Heiligen Abend soll ganz den Menschen gehören, die eigentlich keinen Grund zum Feiern haben, die in ihrer momentanen Situation nicht feiern können, weil sie ein Stück ihres Lebens, einen geliebten Menschen, verloren haben.
Sparsam in Worten, aber stark in Zeichen und Symbolen will diese Meditation nur einen Funken der Hoffnung und der Heilung in die längste Nacht des Jahres werfen.
Wenn es nur gelingt ein paar Funken vom großen gefeierten Licht in der Finsternis einzufangen, dann könnte sich eine ganz neue Liebe entzünden, die Liebe, die tastend und suchend durch die Nacht geht - dem Licht entgegen.
Vorsichtig und zart versucht diese Stunde der Besinnung den schützenden Mantel der Trauer, der die Seelen umfängt, wie mit kleinen Nadeln zu durchstoßen, dass nach und nach sanfte Strahlen eines neu anbrechenden Tages den dichten Schleier durchdringen können.

Wir wissen um den Schmerz, der uns dabei überfallen kann, um die Hilflosigkeit, um die Tränen.
Und wir wissen, wie sehr wir uns durch gemeinsam geweinte Tränen verstehen und beschenken. Tränen - ein Geschenk zum Heilenden Abend!

 Laß Dich fallen in
deine
Trauer
und schäme dich nicht
deiner
Tränen.
Weine um vergangenes Glück -
aber öffne Dein Herz
für all die
Liebe,
die wir Dir zu geben versuchen.
              
(nach Annette Könnecke)Vorbereitungen

Vorbereitungen
Größere Kerze als Mitte der Zusammenkunft

  • Eine alte, ausgetrocknete Wurzel
  • Eine frische Rose + je eine Rose pro Teilnehmer
  • Musikkassetten bzw. CD´s
  • Kassettenrekorder bzw. CD-Player
  • Schwarzes/dunkles Tuch
  • Stifte für alle Teilnehmer
  • Bildkarte "Wurzel Jesse" (Sieger Köder) je Teilnehmer
    zu bestellen über Schwabenverlag, 73760 Ostfildern,
  • Je ein Teelicht pro Teilnehmer
  • Gefäß mit (Weih-)Wasser

Anmerkung
Kursivgedruckte Passagen
im Kommentar sind Handlungsempfehlungen.

Einstieg
Stuhlkreis, dunkles Tuch in der Mitte, darauf eine brennende Kerze, ruhige Musik, Worte in die Stille gesprochen:

Worte!
Was sollen all die Worte in dieser Nacht?
- Erwartungsvolle Zeit -
  auf was sollen wir noch warten?
- Hoffnungsvolle Zeit -
  Hoffnung, was ist das? Wir haben sie verloren.
- Friedvolle Zeit -
  wie kann in uns denn Friede sein?
- Freudvolle Zeit -
  in uns ist doch keine Freude.
- Liebevolle Zeit -
  wem sollen wir noch Liebe schenken?
- Heilbringende Zeit -
  Heil in uns? Eine Narbe bleibt immer.

Was sollen all die Worte dieser Nacht?
Nichts können sie geben.
Nichts können sie sagen.
Was sollen all die Worte in dieser Nacht - ohne dich?
Was schenken all die Worte in dieser Nacht?

Musik, jeder Teilnehmer erhält eine kleine Kerze, diese wird vom Teilnehmer an der Kerze in der Mitte des schwarzen Tuches entzündet, dann auf dem Tuch abgestellt.
Nachdem alle Teilnehmer je ein Licht entzündet haben:

So viel können sie geben.
So viel können sie sagen.
- Ein Funke Mut
- Ein Funke Kraft
- Ein Funke Hoffnung
- Ein Funke Zuversicht
- Ein Funke Glauben
Ja - all das können mir die Worte in dieser Nacht geben.

Wie können sie doch helfen, all die Worte dieser Nacht, dass das Licht sich verbreitet, wo die Finsternis regiert.

Musik bzw. Lied: “Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht!”
(Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht, es hat Hoffnung und Zukunft gebracht, es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten, ist wie ein Stern in der Dunkelheit!)

Hinführung
Das Lied: “Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht” will die vorausgegangene Zeichenhandlung des Kerzenanzündens nonverbal verstärkend deuten und zugleich überleiten zum Wort Gottes aus der Heiligen Schrift.

Durch nachfolgende Hinführung zum Schrifttext aus Jesaja soll der Hörer in eine Zeit geführt werden, die seiner momentanen Verfasstheit sehr nahe kommt. Tod und Leid, Angst und nahende Verzweiflung, innerer Aufruhr und drohende Sinnlosigkeit des Lebens, lebensverfinsternde Mut- und Hoffnungslosigkeit sind trauernden Menschen emotional nachvollziehbare Umschreibungen für ihre Situation, in die hinein an diesem Abend die heilbringende Botschaft von Jesus Christus, dem Erlöser verkündet werden soll. Das Geschenk dieses Abends soll die Hoffnung sein, dass Todesnot und Leiden irgendwann ein Ende nehmen. Dann kann ein neues Leben auf Erden und ein neuer Glaube an den Himmel beginnen.

Jesaja war ein großer Prophet aus Jerusalem. Er gehörte zum erwählten Volk Gottes. Er musste miterleben, dass auch diesem, seinem auserwählten Volk weder Leid noch Tod erspart bleibt. Keine leichte Zeit war das, in die Jesaja von Gott gesandt war. Voller Aufruhr und Drohung, voller Angst und naher Verzweiflung war die Zeit vor Jesus Christus. Wie ein schwarzer Schleier aus schwerer Qualität legte sich Mutlosigkeit und Hoffnungslosigkeit über die Seelen des Volkes Gottes. In diese Finsternis sandte Gott seinen Propheten. Er erhält den Auftrag, das unmittelbar bevorstehende Eingreifen Gottes anzukündigen, er sollte Vertrauen erwecken gegenüber einem heilenden Gott, gegenüber einem Gott, der sein Volk aus der Verbannung wieder heimführt. Nach Todesnot und Leiden wird Gott sein Volk wieder aufblühen lassen, das Leben wird danach einem neuen Himmel und einer neuen Erde gleichen. Jesaja sollte Licht bringen in dunkler Zeit.. Gott legte ihm dazu folgende Worte in den Mund:

Schriftwort
Aus einer Wurzel wächst ein neuer Trieb
Schrifttext aus Jesaja 11./12. Kapitel
(In die Mitte wird eine alte ausgetrocknete Wurzel gestellt. Während des Textes wird eine frische Rose in die Wurzel gesteckt. Gleichzeitig wird das Licht im Raum ganz hell.
Viele Menschen feiern an diesem Abend den Spross aus der Wurzel Isais, das Kind in der Krippe, in dem der ganzen Welt neues Leben geschenkt ist. Trauernde Menschen sind noch unterwegs zum Licht, das sie zur Zeit vielleicht nur im Wiederschein eines kleinen Sternes erahnen. Aber schon im Stern liegt der Beginn des Heilenden Abends.)

Aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.
Der Geist des Herrn läßt sich nieder: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht....
Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther leigt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten....
(Symbolfiguren für Gut und Böse, das im Menschen gegeneinander ankämpft!)
An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, der dasteht als Zeichen für die Nationen, die Völker suchen ihn auf.
An jenem Tag wirst du sagen: Ich danke dir, Herr. Du hast mir gezürnt, doch dein Zorn hat sich gewendet und du hast mich getröstet.
Ja, Gott ist meine Rettung.

Musik!

Meditation
Lichtblicke nach Betlehem
(Diese Nacht ist für trauernde Menschen voller Sehnsucht!)

Der Text, den wir gehört haben - er lässt spüren, wie sehr Jesaja der Sehnsucht des Volkes mit seiner Verheißung entgegenkommen will.
Mit seinen Worten versucht er Lichtblicke zu ermöglichen. Er ermuntert sein Volk zum gläubigen Hinschauen auf Gott. Das tut er nicht, um sie zu vertrösten! Jesaja begegnet dem Volk energisch und zart, er warnt und empfiehlt, weil er will, dass die Menschen in ihrer Welt Freiheit erleben statt Gefangenschaft und Freude statt Angst. Jesaja kämpft um Frieden und Heil in dieser Welt. Er will - gesandt von Gott - dass die Menschen wieder bei sich selbst zu Hause sind und die Erde und den Himmel neu entdecken. Deshalb schenkt er ihnen in seiner Verheißung die Lichtblicke nach Betlehem, schon viele hundert Jahre vor der Geburt Jesu Christi.
Jesaja weß um die offenen oder verborgenen Sehnsüchte der Menschen und kann ihnen nur so befreiend begegnen.

(Jetzt soll Zeit sein, mit allen Sinnen zu erspüren, wonach Leib und Seele verlangen)
Wissen wir um die Sehnsucht unseres Herzens, in dieser Zeit der großen Sehnsucht? -
Wohin wenden sich meine Augen? -
Was sucht mein Ohr in der Stille der Nacht? -
Wem gehören meine Gedanken? -
Was sehnt sich mein offenes Herz zu fühlen? -
Welchen Geruch vermisst meine Nase? -
Was will ich begreifen? -

Damit Kopf und Herz all die geschenkten Antworten auf diese Fragen nicht verlieren, nehmen wir uns Zeit, sie festzuhalten.
Wir haben ihnen unter ihren Stuhl eine Bildkarte von der “Wurzel Jesse” und einen Stift gelegt. Beides soll ihnen helfen, in den folgenden Minuten ihre Wünsche zu Weihnachten, ihre Wünsche am Heiligen Abend zu sammeln, und wenn sie wollen, zu notieren.
Sie haben Zeit. Wer von ihnen meint, seine Gedanken abgeschlossen zu haben - egal ob er etwas geschrieben hat oder nicht - der soll seine Karte mit der beschriebenen Seite nach unten einfach zur “neu austreibenden Wurzel” in unsere Mitte legen.

Zeit der Stille!

Bitten
Dazu kann leise Musik gespielt werden. Freiwilligkeit wahren!

Um sie mit ihren Wünschen jetzt nicht allein zu lassen, geben wir ihnen sehr gern die Möglichkeit, im Kreise Gleichgesinnter um gegenseitiges Gebet und den Beistand Gottes zu bitten. Sie können dazu die Gedanken auf ihrer Karte vorlesen oder ihre Bitten frei formulieren.

Vater unser
A
ll unsere Bitten wollen wir zusammenfassen in dem Gebet, das Jesus Christus uns gelehrt hat. Betend wollen wir einander an den Händen halten, dass für uns unsere Verbundenheit auch spürbar wird.

Gott, wir sind noch unterwegs zum Licht. Wir können es zur Zeit nur im Wiederschein eines kleinen Sternes erahnen.
Gott, du Quelle aller Geborgenheit und Ursprung allen Lebens. Schenke uns in der Gemeinschaft der Christen wieder Kraft und Mut.
Christus, du Licht der Welt, entzünde in uns immer wieder neu deinen Hoffnungsfunken, damit sich unser Leben wieder mehr erhellt und auch einmal wieder Freude in unser Herz einziehen kann.

Stärkung
(Als Zeichen der Stärkung wird das Ursymbol Wasser eingebracht!)

Wasser ist Leben wie du, lebendiger Gott, erfrschend und geheimnisvoll. Wasser ist Leben wie du, Christus, lebendige Quelle in uns selbst. Wasser ist Leben wie du, Heiliger Geist, lebenserneuernde und solidarische Kraft in unserer Welt.
Lass dieses Wasser zum heilenden Wasser - zum heilenden Wasser werden für N.N...
Darum bitten wir in deinem Namen:
Im Namen des Vaters, der die Welt erschuf,
im Namen des Sohnes, der im Leben und  Sterben mit uns solidarisch ist,
im Namen des Heiligen Geistes, der unserem Leben neuen Atem schenkt.Amen.

Hoffnungszeichen
(--> Bildkarte “Wurzel Jesse” )
aus einem scheinbar toten Baumstumpf geht eine Rose hervor, genährt aus verborgenen Quellen der Tiefe. Sie steht da “wie ein Signal für die Menschen”.
Und sie sagt: “Ich liebe dich, mit unendlicher Liebe. Hab keine Angst!”
Ihre Stimme verwandelt sich in die Stimme Jesu und spricht zu dir:
 “Ich bin Mensch geworden - auch für dich. Ich verlasse dich niemals!”
Als ein Zeichen dieser Liebe und der Hoffnung möchten wir ihnen nun eine Rose überreichen.
Sie soll an diesem Abend die Hoffnung schenken, dass Todesnot, Leiden und Trauer irgendwann ein Ende nehmen.
________________________________________________________________________________________ ________________________________________________________________________________________

 

Trauer-Fundgrube Allgemein Kirchliches Kinder Familie Verw.Eltern Schule Links/Kontakt

trauer-fundgrube