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Mit Kindern über den Tod sprechen:
Altersspezifisches Verständnis von Sterben und Tod, allgemeine Gedanken zum Gespräch mit Kindern über den Tod.
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Altersentsprechende Entwicklung des Todeskonzeptes beim gesunden Kind nach Wintsch, Wittkowski, Zengaffinen, Löble
Neun Monate bis ein Jahr
- Verlust und Trennungsangst schlagen sich in symbolisierten Riten des “ Da/Nicht-Da” Spielens nieder.
- Weg sein und tot sein ist gleichbedeutend.
- Das Kind im nichtsprachlichen Stadium erkennt zwar nicht den Tod, es erkennt aber die Abwesenheit eines Menschen.
- Das Kind erlebt in dieser Zeit einen Verlust ausschließlich durch traurige Stimmung und Gefühle.
- Möglich ist die Unterscheidung zwischen belebt und unbelebt.
Ein Jahr bis drei Jahre
- Das Kind kann noch sehr wenig oder gar nichts mit dem Begriff Tod anfangen. Es reproduziert aber sehr früh Verlust und Tod. (Streichholz anzünden, um es dann ganz schnell wieder auszublasen)
- Die Endgültigkeit des Todes wird nicht erfasst. (Rollenspiele, z.B. nach Verkehrsunfällen: Du bist jetzt schnell tot, nachher aber bist du wieder lebendig.)
- Die Beobachtung von belebt und unbelebtn wird ausgedehnt.
Vier Jahre
- Das Kind gewinnt langsam eine gewisse Vorstellung vom Tod. Es benutzt das Wort; die entsprechende Empfindung dazu aber fehlt noch.
- Kinder in diesem Alter nehmen noch nicht an, dass sie selbst einmal sterben müssen.
- Die Beobachtung von belebt und unbelebt wird ausgedehnt.
- Das Kind konfrontiert den Tod in rituellen Spielen (Indianer, Krieg...)
- Auch Getier wird verfolgt und oft grausam gequält und getötet.
==> Es ist wichtig, die Wünsche des Kindes nach Kreativität zu unterstützen, seine Neugierde nach Erfahrungen und Wissen über Tod und Leben zu befriedigen.Ebenso wichtig sind
Gespräche, die das Kind für die Gefühle und Rechte anderer Lebewesen sensibilisieren.
Drei bis fünf Jahre
- Dem Kind ist nicht klar, dass der Tod unvermeidlich ist.
- Im Gegenteil: Das Kind glaubt in einer “magischen Phase” den Tod durch bestimmte Verhaltensweisen vermeiden zu können. (verstecken!)
- Einige Menschen müssen sterben (alte), die meisten aber nicht (junge Umwelt der Kinder).
- Der Tod wird als vorübergehender Zustand (Reise oder Schlaf) angesehen.
- Statt Nonfunktionalität glaubt das Kind an graduell abgestuftes Lebendigsein.
- Äußere Gewalteinwirkung wird als Todesursache erlebt, innerorganische Ursachen noch nicht.
Sechs bis acht Jahre
- In diesem Alter beginnt die personifizierte Vorstellung vom Tod (Engel, Sensenmann, Skelett).
- Kinder beschäftigen sich gern mit der Peripherie des Todes (Grab, Beerdigung).
- Es tauchen jetzt Gefühlsreaktionen auf, die vom Kind auch bewusst erlebt werden (Das Kind macht sich jetzt z.B. Gedanken, ob auch seine Mutter sterben könnte):
- Gedankliche Verknüpfungen werden jetzt hergestellt: erlebtes Sterben im Krankenhaus ==> auf Krankenhaus folgt immer Sterben ==> Kind will nie ins Krankenhaus.
- Das eigene Sterben wird noch (wissentlich) geleugnet/verdrängt. Mit ca. acht Jahren aber auch als eigenes Schicksal angenommen.
- Das sachliche Interesse am Tod ist jetzt am größten.
- Jetzt taucht die Frage nach dem, was nach dem Tod kommt, auf.
Ab neun Jahren
- Das Kind stellt die Beziehung zu logischen und biologischen Tatsachen her (kein Puls, keine Temperatur, keine Atmung => Tod!).
- Das Kind richtet seine Aufmerksamkeit jetzt direkt auf den Tod, nicht mehr nur auf die Peripherie.
- Ab neun Jahren nimmt parallel mit dem Bewußtsein, selbst älter zu werden und einmal sterben zu müssen, sein Interessse am Tod zu.
- Der Tod wird als Strafe für alles Schlechte, was man getan hat, gesehen: Das Schlechte, das der Tote selbst getan hat, aber auch das Schlechte, das die trauernden Angehörigen getan haben.
Somit könnte der Tod auch eine Strafe für die Fehler des Kindes sein!
Ab ca. zwölf Jahren
- Jugendliche ordnen den Begriff “Leben” Menschen, Tieren und Pflanzen zu.
- Sie können unterscheiden zwischen Formen des Lebens, dem eigenen Ich und der übrigen Realität.
- Sie können die Endgültigkeit und die weitreichende, unausweichliche emotionale Bedeutung des Todes erkennen.
- Alle wesentlichen Denkmuster, die auch die Erwachsenen haben, sind ihnen gedanklich zugänglich.
- Abwehr und Unbehagen dem Tod gegenüber können sie rau formuliert zum Ausdruck bringen, oder skeptisch sachlich als unausweichliches Ereignis am Lebensende konstatieren.
Mit Kindern über den Tod reden Mit Kindern über den Tod reden ist ganz gewiss keine leichte Aufgabe.
Eine “Checkliste” oder ein Rezept, wie sie in anderen Zusammenhängen vielleicht begegnen, kann es dafür nicht geben. Zu sehr ist jede Antwort auf Kinderfragen abhängig von:
- der jeweiligen Situation und Person des Kindes
- vom Alter des Kindes
- von der Art des Gespräches
- von der momentanen Stimmung bzw. der inneren Stabilität der Gesprächspartner
- vom Verhältnis der Gesprächspartner zueinander
- von der Vorgeschichte, den Todes- und Krankheitsbedingungen
- nicht zuletzt von der Übereinstimmung von Wort und Tat beim Erwachsenen.
Ein paar allgemeine Gedanken zum Gespräch mit Kindern über den Tod sind vielleicht dennoch hilfreich:
- Wann und unter welchen Umständen Kinder auch immer Fragen über den Tod stellen und darüber sprechen wollen, der Erwachsene darf niemals ausweichen oder gar vertrösten, in der
Hoffnung, dass das Kind dann wieder vergisst, was der Erwachsene nicht beantworten will oder kann.
Wenn die Zeit ungünstig ist, hat man selbstverständlich das Recht, den Zeitpunkt des Gespräches zu verlagern.
Dabei ist es wichtig, diesen nicht auf ungewisse Zeit zu verschieben, sondern mit dem Kind einen festen Termin zu vereinbaren, um zu signalisieren, dass man das Kind ernst nimmt und vor der
Frage nicht flieht, auch wenn man davor Angst hat.
- Alle Fragen sollen vom Kind gestellt werden dürfen. Sie sollen offen und ehrlich beantwortet werden, jedoch mit angemessener Einfühlungskraft und Vorsicht! (Wie hast du dir das gedacht?)
Diese Behutsamkeit ermöglicht es, die kindliche Vorstellung zu erkunden und vermeidet unnötige Überforderung des Kindes. Ein Kind verlangt mit seiner Frage oft keine wissenschaftliche Erklärung, sondern Beruhigung
und Klärung. Bei kindlichen Fragen ist immer auf die Motivation der Frage zwischen den Zeilen zu achten. Ggf. ist ebenso versteckt, symbolisch oder in Bilder zu antworten.
- Am Ende eines Gespräches sollte immer gefragt werden, ob das Kind mit der Antwort zufrieden ist bzw. die Antwort ausreicht.
Es sollte in keinem Fall der Eindruck entstehen, es sei “jetzt endlich alles gesagt!” Angstmachende Antworten (jeder muß einfach einmal sterben) sind immer zu vermeiden.
Glaubensvorstellungen, bildreich hoffnungsvolle Antworten aus der Hl. Schrift sind als großer Schatz der Trostmöglichkeiten zu sehen.
- Kinder sollen behutsam, trotzdem aber rechtzeitig auf den Tod vorbereitet werden, besonders, wenn ein nahes Familienmitglied in Gefahr ist zu sterben.
Hier ist ganz deutlich und mit allem Nachdruck zu betonen, dass nicht die Konfrontation mit dem Tod, sondern die Erfahrung des Ausgeschlossenseins ein Trauma im Kind verursachen kann.
Kleineren Kindern ist der Besuch von Sterbenskranken eher am Anfang der Sterbezeit zu ermöglichen. Jugendlichen darf durchaus ein Gespräch mit sterbenden Menschen zugemutet werden.
Auch Krankenbesuche mit vielleicht erschreckenden Eindrücken müssen, wie ein Besuch bei Sterbenden, selbstverständlich altersentsprechend vorbereitet werden.
- Jeder Mensch bedarf in der Trauer der seelischen Hilfe und des Beistandes.
Man kann helfen, indem man angst- und schuldbeladene Gefühle auszusprechen und zu
bearbeiten hilft, um eine realistische Sichtweise des Geschehenen zu erzielen. Kinder sind auf wirklichkeitsnahe Weise auf bevorstehende Änderungen vorzubereiten (Trauer-
und Abschiedsfeiern; siehe “Familie” noch vor der Beerdigung). Trauerfeiern finden am besten im vertrauten Kreis der Familie statt.
Von Trauergottesdiensten sollten Kinder nicht ausgeschlossen werden, sondern vielmehr an der Seite eines vertrauten Menschen die Wirklichkeit in der Geborgenheit und im Schutz spürbarer Nähe erleben dürfen.
- Oft wird die Frage gestellt, wie viel ein Kind verkraften kann.
Das ist u.a. abhängig von der Sensibilität, der Krativität und dem Wahrnehmungsvermögen dessen, der mit dem Kind spricht.
Ein Kind sollte nie zum Reden gedrängt werden. Durch die Beobachtung seines Verhaltens während eines Gespräches ist oftmals zu erkennen, ob das Kind gesprächsbereit ist.
Körpersprache ist gerade bei Kindern auf keinen Fall außer Acht zu lassen. Dabei gilt es immer zu beachten: Ein Trauergespräch mit Kindern ist sensibilisierendes, seelsorgliches Gespräch, nicht “Pseudotherapie”.
Ausdrucksformen von Trauer
- Kinder können Gefühle nicht ohne weiteres benennen.
- Was sie fühlen, zeigen sie meistens im Tun. (Spielen, Zeichnen, Selbstgespräche)
- Unbewußt spiegelt sich ihre Gefühlswelt auch in körperlichen Reaktionen wider.(Appetitlosigkeit, unruhiger Schlaf, plötzliche Aggressivität, sozialer Rückzug)
- Kinder haben immer den Wunsch, möglichst normal zu sein.
- Was sie verunsichert, versuchen sie zu verdrängen.
- Kinder reagieren auf Verluste oft mit Wut, z.T. ungerichteter Aggression, aber auch mit direkten Vorwürfen an die Eltern oder den “überlebenden” Elternteil.
- Kinder trauern sprunghaft, fragen direkt, sind “himmelhochjauchzend zu Tode betrübt”.
- Kinder fragen altersentsprechend viel zur Peripherie des Todes, in späterer Entwicklungsstufe dananch, was mit dem Toten selbst passiert.
- Kinder haben oft “Wiedervereinigungswünsche” (decken den Tisch für Verstorbene).
- Kinder trauern unmittelbar. Sie wollen traurig sein, wann sie wollen.
- Kinder nehmen oft intensiv Kontakt zu Haustieren oder Plüschtieren auf. Diese sind immer verfügbar und hörend.
- Kinder sind nicht gerne Außenseiter. Verständnis und Gesprächsmöglichkeiten: JA!
Samthandschuhe: NEIN! Kinder reagieren oft mit Trennungsängsten
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