Rituelle Abschiedsfeier:

Mit Kindern und Erwachsenen von Verstorbenen Abschied nehmen

Auf der Suche
             nach dem Leben

Ein Wort im Voraus
Vor drei Jahren wurde ich an einem Abend in ein Haus gerufen, weil dort ein etwa 70-jähriger Mann nach einem Arztbesuch absolut unerwartet zu Hause zusammenbrach und tot im Kreis seiner Lieben liegen bliebt. Der Tod kam zu einer Stunde, in der es niemand erwartet hatte, denn der Arzt hatte doch noch gesagt, dass alles in Ordnung sei. Als der erste Schock über die vergeblichen Bemühungen des Rettungsdienstes nachließ, verbreitete sich in der Wohnung nervenaufreibende Unruhe. Nach dem wir auch diese mit dem Rosenkranzgebet zur Ruhe gebracht hatten, war es schon spät geworden. Die anwesenden Enkel, die den Tod miterlebt hatten und den beruhigenden Rhythmus des Gebetes auf dem Schoß ihrer Eltern miterlebt hatten, sollten jetzt ins Bett gebracht werden. Ich erwähnte noch, dass die Kinder jetzt bestimmt nicht schlafen könnten, aber die Eltern wollten es doch versuchen und brachten die Kinder ins eigene Haus (gegenüber des Sterbehauses) und kamen dann wieder zurück; wir wollten uns noch über die anstehenden Formalitäten unterhalten. Es dauerte nicht lange, da hörten wir, neben dem Verstorbenen sitzend, ein leises Weinen über den Hof. Die beiden Enkelinnen saßen am offenen Fenster ihres Zimmers und riefen leise den Namen ihres Opas in die Nacht. Erneut unterbrachen wird den "Papierkram" und entschlossen uns gemeinsam, die Kinder wieder zurück zu holen, um ihnen die Möglichkeit und Zeit zu geben von ihrem geliebten Opa liebevoll Abschied zu nehmen. Streicheln, Bilder malen, Briefe schreiben, Blumen pflücken und sie in den Sarg bringen..., all das waren von jetzt an wichtige und von den Kindern sanft erzwungene Schritte des Abschieds in den Tagen zwischen Tod und Beerdigung, an die auch die Eltern – selbst mit ihrer Trauer beschäftigt - nicht gedacht hätten. Weil das auch nahezu unmöglich erscheint, dass erwachsene Trauernde, durch ihre Trauer hindurch auch noch die Trauer ihrer Kinder angemessen gestalten, soll diese Handreichung sowohl den Eltern als ganz besonders auch dem Seelsorger, der Seelsorgerin, die Möglichkeit geben, die so wichtigen Schritte des Abschiednehmens anzustoßen und zu führen bzw. sie in schriftlicher Form und den zur Umsetzung nötigen Materialien als Anregung und Hilfe in der Trauerfamilie zu lassen.

Als „rituelle Abschiedsfeier“ ist die hier ausgearbeitete Trauerfeier anzusetzen in der Zeit zwischen Tod und Trauergottesdienst bzw. Beerdigung.
Den nonverbalen Zeichen kommt eine besondere Bedeutung zu. Diese nonverbalen Zeichen müssen stark aus ihrem Kontext und ihrem Vollzug sprechen. Weil der Mensch – und vor allem ein Kind – nicht nur Kopf ist, und sein Zugang zur Wirklichkeit nicht allein über den Intellekt geht, zielt diese Feier auf sinnenhaftes Erleben und Äußern.
Im Zentrum dieser Abschiedsfeier steht dementsprechend das Symbol der Blume. Damit soll die Ganzheit christlichen Lebens aufgegriffen werden: Sichtbares (über der Erde) und Unsichtbares (unter der Erde) wird zum Inhalt des Nachdenkens. Das soll auch durch den Titel dieses Geheftes ausgedrückt sein: "Auf der Suche nach dem Leben."
Mit Hilfe der "Blume" sollen auch die Kinder in ihrem Fühlen und Denken vom Immanenten ins Transzendente geführt werden.
In dieser Abschiedsfeier wird die Symbolkraft der Blume auf mindestens drei Generationen bezogen.
Die Teilnehmer dieser Feier sollen leibhaft, mit Kopf und Herz erfassen, was das Wort allein vielleicht nicht vermag. Das gesprochene Wort deutet die Blume als Symbol in allen Facetten, das Symbol wiederum eröffnet sinnenfällig den tieferen Sinn des gesprochenen Wortes. Dem Seelsorger bzw. der Seelsorgerin kommt die wichtige Aufgabe zu, diese Abschiedsfeier zu einer der Trauerwirklichkeit entsprechenden Zusammenkunft zu formen.
Wie immer im Umfeld des Todes, hängt die Gestaltung einer solchen Abschieds-feier von vielen äußeren und inneren Faktoren ab, die es unbedingt nötig machen, sich im Voraus auf die Arbeit mit diesem Geheft gut vorzubereiten. Dabei ist an die Vielfalt kindlicher Trauerreaktionen zu denken und als unab-dingbar zu erkennen, die Feier dem Alter und dem Entwicklungsstadium des Todeskonzeptes der Kinder anzupassen. Symbole und Gesten sollen helfen, „auszudrücken, was sich eindrücken will“! So soll, was nicht zu begreifen ist, begreiflich werden. Symbole wollen auf emotionaler Ebene ansprechen.
Ermutigend sei aber hier angefügt, dass das im letzten Absatz gesagte nicht Angst vor der Begleitung beim Abschiednehmen einflößen soll, sondern den Begleiter, die Begleiterin sensibilisieren will und ihm / ihr in der Feier selbst die nötige Sicherheit und ruhige Ausstrahlung ermöglichen will.
Immer gilt es zu bedenken – vor allem, wenn gute Tränen fließen – dass die Abschiedsfeier helfen will, den Trauerprozess nicht zu verdrängen, sondern ihn zuzulassen und bewusst begleitet zu durchleben.
Der geeignetste Ort für diese Abschiedsfeier ist das Sterbehaus. Im Kreis der an-wesenden Familie kann dann von Fall zu Fall entschieden werden, ob man noch auf den Friedhof geht oder andere wichtige Orte im Leben der Verstorbenen aufsuchen will. Aufgrund ihrer Gestalt kann diese Abschiedsfeier auch über Tage hinweg in ihren einzelnen Teilen vollzogen werden, was hiermit auch empfohlen sei.
Glaubensvorstellungen und hoffnungsvolle Gedanken aus der Hl. Schrift können zur Antwort auf die vielen ungestellten Fragen und ungeäußerten Ängste des Kindes im Zusammenhang mit dem Tod hier konkret seiner Großmutter/seines Großvaters werden. Der Glaube ist als großer Schatz der Trostmöglichkeiten zu sehen, ohne damit auch nur im geringsten mit wirklichkeitsfernen Phrasen lediglich vertrösten zu wollen.
Die vorliegende Handreichung ist ausgearbeitet für den Abschied von Oma oder Opa. Kann aber natürlich auch jedem Einzelfall angepasst werden.

Dem, der begleitet, sei abschließend in Erinnerung gerufen, dass

  • er sich authentisch verhält, dass er also mit sich selbst eins/echt ist
  • er selbst eine lebensbejahende Grundeinstellung hat
  • er nicht bagatellisiert
  • er Kinder in allem ernst nehmen soll.
  • er ggf. seelsorgliche Routine ablegen, Mut zur Liebe fassen und das Herz öffnen soll für die Erfüllung, die als Geschenk zu jedem zurückkommt, der sich seelsorgend verschenkt.

Immer wieder stellen Eltern die gewichtige und sorgenvolle Frage, wie weit man mit Kindern beim Abschiednehmen gehen darf. Aus vielen praktischen Erfahrungen kann hier nur bestätigt werden, was sich zu-nehmend in Veröffentlichungen zum Thema Trauer findet: Wenn Kinder den toten Menschen sehen und ihn anfassen können, dann be-greifen sie! Sie begreifen, dass der Mensch tot ist und sie begreifen, was "tot" ist.
Ist der geliebte Mensch z.B. durch einen Unfall oder durch Suizid gestorben, ist sein Anblick stark verändert, so stellt sich für viele Menschen die Frage, ob man den Toten auch dann anschauen sollte. Auch hier ist es für Kinder gut, wenn sie sich im Schutz eines vertrauten Menschen verabschieden können. Nur wenn jemand stark entstellt ist, ist es günstiger, in einer anderen Form von dem Verstorbenen Abschied zu nehmen.
Allerdings möchte ich nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, dass bei allen durch Erfahrung belegten Ratschlägen, der konkrete Einzelfall nicht aus dem Blick und aus dem Herzen kommen darf. Es gibt keine allgemein gültigen Rezepte oder gar Pauschalisierungen.
Dem be-greiflichen Abschiednehmen ist nichts vorzuziehen. Ergänzend zu dieser Form sei unsere Abschiedfeier verstanden.

Vorbereitungen

  • Eine Tonschale (Durchmesser: ca. 25 cm), die am besten zur Hälfe mit Gips ausge-gossen wurde; dabei sollte jedoch in der Mitte ein ca. 2,5 breiter Schaft ausgespart werden, in den später er "Stengel" der Blume durch die darüber eingefüllte Rede hindurch eingesetzt werden kann.
  • "Gedankenwolken" aus Papier (DIN A 4), ausgeschnitten
  • Musikstück "Moldau" von Smetana
  • Malstifte/Wasserfarben
  • Blumenzwiebel
  • Blumenerde
  • Ein Stock, ca. 120 cm
  • Blumendraht
  • Moosgummi (DIN A 4 Blätter: gelb: 2x; rot: 6x; grün: 2x)
  • Geeigneter Kleber zum zusammenfügen der Moosgummi-Blühtenblätter...
  • Ggf.Liedblatt
  • Ggf. Cassettenrekorder

Literatur:

  • Die Bibel, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift
  • Wolfgang Longardt, Wachsen wie ein Baum, Düsseldorf: Patmos 1998
  • Petra Mark Zengaffinen, Das Haus der Stille, Düsseldorf: Patmos 1/1998
  • J. Bärtsch und B. Kowalski (Hrsg.), Trauernde trösten – Tote beerdigen, Kath. Bibelwerk Stuttgart, 1997
  • Dr. T. Tausch-Flammer und Lis Bickel, Die Zeit der Trauer, Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland, Krebsverband Baden-Würtemberg e.V.
  • Reitmeier & Stubenhofer, Bist du jetzt für immer weg?, Freiburg i. Br., Christophorus 1997
  • G. Holdau-Willems, Abschied von Opa, Düsseldorf: Patmos, 1998
  • H. Olbrich, Abschied von Tante Sofia, Lahr: Kaufmann, 1998
  • Regine Schindler (Hrsg.), Tränen, die nach innen fließen, Lahr: Kaufmann, 1/1993
  • Amelie Fried und Jacky Gleich, Hat Opa einen Anzug an?, München, Wien: Hanser 1997

 

Die Abschiedsfeier im Überblick
Eröffnung
Stiller Impuls
Einführung
Biblischer Bezug

Die Schale der Erinnerung
Immer offen für uns
Typisch Oma/Opa
Stilleübung/Phantasiereise
Biblischer Bezug
Lied/Musik

Erde, in der ein kostbarer Schatz verborgen liegt
Ein Schatz lebendiger Erinnerungen
Gleichnis von der Blumenzwiebel
Biblischer Bezug
Lied/Musik

Ein Trieb, der dem Himmel entgegenwächst
Lebenskraft aus dem Verborgenen
Geschenke des Himmels
Biblischer Bezug
Lied/Musik

Blüten, die im Licht erstrahlen
Ausstrahlung
Eine Blume, die nie verwelkt
Dank- und Bittgebet: ...aus der Tiefe dem Himmel entgegen
Lied/Musik

 

... auf der Suche nach dem Leben

Bevor die Familie sich an geeignetem Ort versammelt, müsste die Tonschale bzw. der Tontopf rechtzeitig bis zur Hälfte mit Gips ausgegossen werden. Diese Schale bzw. dieser Topf eröffnet symbolisch die Abschiedfeier.

Eröffnung
Stiller Impuls

Wenn die Familie an geeignetem Ort versammelt ist, stellt der Seelsorger, die Seelsorgerin (in Folgendem immer S) oder der Vater die vorbereitete Schale bzw. den vorbereiteten Topf in die Mitte auf eine Tisch/auf den Boden.

Einführung
Unsere Oma/unser Opa ist tot. Es ist schwer, das zu begreifen. Wir wissen noch gar nicht, was uns dadurch alles fehlen wird. Lange Zeit (anpassen!) haben wir mit ihr/ihm leben und sie erleben dürfen.
Das war für uns immer selbstverständlich. Oma/Opa gehörte bisher ganz einfach zu uns! Jetzt haben wir Angst, sie/ihn zu verlieren. Sie/Er soll aber auch weiterhin zu uns gehören. Deshalb wollen wir uns auch jetzt und immer wieder Zeit nehmen, uns an sie/ihn zu erinnern und mit ihr/ihm zu leben.

Biblischer Bezug (Jesaja 44)
1
Jetzt aber höre, Jakob, mein Knecht, / Israel, den ich erwählte.
2 So spricht der Herr, dein Schöpfer, / der dich im Mutterleib geformt hat, der dir hilft: Fürchte dich nicht, Jakob, mein Knecht, / du, den ich erwählte.
3 Denn ich gieße Wasser auf den dürstenden Boden, / rieselnde Bäche auf das trockene Land. Ich gieße meinen Geist über deine Nachkommen aus / und meinen Segen über deine Kinder.
4 Dann sprossen sie auf wie das Schilfgras, / wie Weidenbäume an Wassergräben.


Schale der Erinnerung
Immer offen für uns
Oma/Opa war immer für uns da. Sie/Er konnte uns zuhören. Sie/Er verstand uns, auch wenn wir kein Wort gesagt haben. Sie/Er konnte unsere Blicke verstehen. Sie/Er konnte uns unsere Wünsche von den Augen ablesen. Immer freute sie/er sich, wenn wir zu ihr/ihm kamen. Sie/Er hatte immer offene Arme und ein offenes Herz für uns. Oma/Opa gehörte zur Mitte unserer Familie.

Typisch Oma/Opa
Oma/Opa war immer offen für uns, wie die Schale, die in unserer Mitte steht. Was wir in Oma/Opa gefunden und mit ihnen erlebt haben, das wollen wir jetzt in diese Tonschale (Tontopf) legen, die jetzt ganz offen ist für unsere Erinnerungen.
Dazu bekommt jeder ein Blatt Papier und Farben. Während leise Musik läuft, wollen wir malen oder schreiben, was für jede und jeden von uns so ganz typisch Oma/Opa ist. Unsere Gedanken kommen Oma/Opa umso näher, je weniger wir miteinander reden, je mehr wir in uns hineinschauen und hineinhorchen.
S oder Leiter der Abschiedsfeier teilt an jeden Teilnehmer eine "Denkblase" und die Farben aus.

Stilleübung/Phantasiereise
Bevor wir aber damit anfangen, wollen wir tun, was uns Jesaja, der Gottesmann, zu Beginn empfohlen hat: Wir gehen ans Wasser, mitten in der Wüste unserer Traurigkeit

"Die Moldau" als Meditationsmusik einschalten. Lautstärke beachten! S oder Leiter führt etwa mit folgenden Worten die Reise ins Leben von Oma/Opa:

Komm mit mir, in die Welt weit vor dir. Wie die Schale auf dem Tisch ganz offen ist, so legen wir unsere offenen Hände ganz ruhig und entspannt auf den Tisch/in unseren Schoß. Schließe jetzt deine Augen. Setz dich bequem hin, so, dass du sitzen kannst ohne dich bewegen zu müssen.Wir spüren unsere Hände auf den Tisch/in unserem Schoß. Wir spüren die Ruhe.Wir atmen ganz sanft.Wir hören unserem Atem zu, wie er kommt und wie er geht.
                                                                                                                    
(ca. eine Minute Zeit geben.)
Jetzt versuchen wir uns vorzustellen, dass wir an dem großen Fluss stehen, von dem die Musik ohne Worte erzählt.Um ihn zu sehen, müssen wir alle unsere Augen schließen.
                                                                                                                    
(einige Sekunden Zeit geben)
Schau da, ein Steg! Wir setzen uns auf den Steg am Fluss. Wir genießen die Ruhe am Fluss.
                                                                                                                    
(einige Sekunden Zeit geben)
Wir betrachten den Fluss, wie er von links nach rechts an uns vorbeifließt.
                                                                                                                    
(einige Sekunden Zeit geben)
Jetzt kommen Boote, den Fluss herabgeschwommen. In dem einen Boot sitzt jemand, den wir sehr gern haben.
                                                                                                                    
(einige Sekunden Zeit geben)
Sie/Er steigt aus und kommt zu uns auf den Steg. Ich umarme den Menschen und genieße seine Gegenwart bei mir auf dem Steg. Ich schaue sie/ihn still und lange an.
                                                                                                                    
(einige Sekunden Zeit geben)
Ich flüstere ihr/ihm jetzt aus meinem Herzen ins Ohr, warum ich sie /ihn so lieb habe, was mir an ihr/ihm so gefällt.
                                                                                                                    
(einige Sekunden Zeit geben)
Dann schaue ich mit ihr/ihm wieder in den Fluss, der ruhig dahinfließt. Immer wieder bringt er ein Bild mit sich. Ganz langsam spiegeln sich Bilder im vorbeifließenden Wasser. Auf jedem Bild sehe ich ein wirkliches Erlebnis mit ihr/ihm.
                                                                                                                    
(einige Sekunden Zeit geben)
Jetzt schaue ich den Bildern nach und sehe wieder ein Boot heran schwimmen. Sie/Er muss wieder weiterfahren. Es tut weh, von ihr/ihm Abschied zu nehmen. Sie/Er verspricht, dass wir uns eines Tages wiedersehen werden. "Wann?" frage ich. Sie/Er zuckt mit den Schultern und lächelt. Ich blicke ihrem/seinem Boot nach und winke ihr/ihm noch lange.
                                                                                                                    
(einige Sekunden Zeit geben)
Ich blicke zum Himmel und sehe, dass die Sonne untergeht. Schön, wie sie auf dem Wasser glitzert! Der Himmel wird ganz rosa, violett und rot. Ich stehe auf und komme mit der Erinnerung an die Bilder im Fluss wieder hierher. Verliere deine Bilder nicht, wenn du jetzt ganz langsam deine Augen öffnest, auf deine Gedankenwolke schaust und darauf malst oder schreibst, was du auf den Bildern im Fluss gesehen hast.
                                                                                        
(ausreichend Zeit zum Schreiben oder Malen lassen)
Alles, was wir geschrieben, gemalt oder gedacht haben gehört zum Leben von Oma/Opa. Wir wollen unsere Erinnerungen und Gedanken in das Zeichen für ihr/sein offenes Leben hineinlegen, dass diese Schale zur Schale der Erinnerung werde.

Biblischer Bezug (2. Korinther)
 6 Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.
7 Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt.

Lied/Musik


Erde, in der ein kostbarer Schatz verborgen liegt
Ein Schatz lebendiger Erinnerungen
Unsere Erinnerungen sind für uns ein kostbarer Schatz. Wir wollen diese Erinnerungen aufbewahren und sie wie einen wertvollen Schatz eingraben in die Erde, dass uns niemand mehr nehmen kann, was wir für immer besitzen wollen.

S legt auf die Gedankenwolken in der Schale behutsam eine Hand voll Erde. Selbstverständlich können auch die Kinder selbst dazu angeregt werden.
!!! Schafft für den "Blumenstengel" nicht zufüllen!!!

Das Gleichnis von der Blumenzwiebel
Der Schatz unserer Erinnerungen ist wertvoller als Gold und Silber.
Dieser Schatz bleibt nicht immer derselbe. Unser Schatz ist nicht leblos, wie Edelsteine und Perlen. Unser Schatz lebt und wächst, z. B. wie eine Blumenzwiebel, die wir in die Erde legen.

S legt eine Blumenzwiebel, dann soviel Erde auf die Blumenzwiebel bis sie in der Erde verborgen ist. Selbstverständlich können auch die Kinder selbst dazu angeregt werden.
!!! Schaft für den "Blumenstengel" nicht zufüllen!!!

Weil wir sie begraben haben, werden wir sie für eine ganze Zeit lang nicht mehr sehen. Ist sie deshalb aber tot? –
Für uns ist sie weg! – Nicht mehr da! – Ist sie deshalb verloren? –
Sie wird sich verändern, verwandeln. Sie ist nicht mehr sichtbar! –
Aber: Werden wir sie deshalb vergessen? –
Nein, wir werden solange warten, bis wir uns freuen dürfen über das, was aus ihr erwächst.

Biblischer Bezug (Matthäus)
Die Gleichnisse vom Schatz und von der Perle
44
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker.
45 Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte.
46 Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie.

Lied/Musik

Ein Trieb, der dem Himmel entgegenwächst
Lebenskraft aus dem Verborgenen
Aus dem, was wir nicht mehr sehen und greifen können, wächst doch das Leben. Wenn die Zeit gekommen ist, wird zwar die Blumenzwiebel immer noch in der Erde zurückbleiben, aber das Leben, das in ihr steckt, wird sich einen Weg aus der dunklen Erde suchen. Das ist immer der Weg zum Licht hin, der Weg dem Himmel entgegen.

S oder Leiter steckt jetzt den vorbereiteten Stock (=Blumenstengel) in den Schaft in der Schale.

Die Kraft aus dem, was begraben ist, die Kraft aus den Wurzeln, lässt neue Triebe wachsen und saftige grüne Blätter austreiben.

S oder Leiter befestigt mit Draht oder Kleber die Blätter am Stengel und dreht sie "dem Himmel zu".

Auch sie spannen sich aus und wenden sich dem Himmel zu. Das kannst du überall in der Natur beobachten.

Geschenke des Himmels
Aber so ganz allein schafft es die Blumenzwiebel auch nicht ins Licht zu kommen. Sie braucht Wasser der Wolken, sowie Licht und Wärme der Sonne. Zum Wachsen und Leben braucht die Blume Geschenke des Himmels. Das ist auch bei uns Menschen so. Auch wir brauchen die Geschenke des Himmels, dass wir die Kraft haben, ins Licht, in den Himmel zu kommen. Wir brauchen Liebe, Freude, Gutsein, Verzeihung, Dankbarkeit und noch vieles, was uns auch Oma/Opa schon gelernt hat.
Wenn wir uns erinnern, was in der Tiefe liegt, was Oma/Opa uns geschenkt und gesagt hat und wenn wir offen sind für die Geschenke des Himmels, werden auch wir den Weg zum Licht finden und unser Leben wird dann wieder blühen, wie Oma/Opa immer und so auch jetzt den Weg zum Licht gefunden hat, um immer mehr dem Himmel entgegen zu wachsen und im Licht zu blühen.

Biblischer Bezug – Deutung
1
Doch aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor, / ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.
2 Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm: / der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, / der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht.
3 [Er erfüllt ihn mit dem Geist der Gottesfurcht.] / Er richtet nicht nach dem Augenschein / und nicht nur nach dem Hörensagen entscheidet er,
4 sondern er richtet die Hilflosen gerecht / und entscheidet für die Armen des Landes, wie es recht ist. Er schlägt den Gewalttätigen / mit dem Stock seines Wortes und tötet den Schuldigen / mit dem Hauch seines Mundes.
5 Gerechtigkeit ist der Gürtel um seine Hüften, / Treue der Gürtel um seinen Leib.
6 Dann wohnt der Wolf beim Lamm, / der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, / ein kleiner Knabe kann sie hüten.
7 Kuh und Bärin freunden sich an, / ihre Jungen liegen beieinander. / Der Löwe frisst Stroh wie das Rind.
8 Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, / das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange.
9 Man tut nichts Böses mehr / und begeht kein Verbrechen / auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, / so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.
10 An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Isais sein, / der dasteht als Zeichen für die Nationen; die Völker suchen ihn auf; / sein Wohnsitz ist prächtig.

Lied/Musik (siehe Anhang)

Blüten, die im Licht erstrahlen
Ausstrahlung
S teilt an alle Teilnehmer die vorbereiteten Blütenblätter aus.

Eine Blume wird erst richtig schön, wenn sie eine Blüte trägt. Und eine Blüte strahlt erst so richtig durch ihre Blütenblätter. Jede und jeder hat jetzt ein Blütenblatt unserer Erinnerungsblume an Oma/Opa vor sich. Wie konnte Oma/Opa für uns wie eine leuchtenden Blume werden, die uns Freude bereitet? Jedes Blatt steht für einen Freudenstrahl der von Oma/Opa ausging.

Folgende "Freudenstrahlen" können natürlich auch selbst mit den Kindern erarbeitet werden.

Sie/Er strahlte:

  • mit einem Herzen, das lieben kann
  • mit einem Mund, der lachen kann
  • mit Händen, die Gutes tun können
  • mit Armen, die kuschelig umschließen
  • mit Ohren, die ehrliche Bitten hören, auch wenn man sie gar nicht ausspricht
  • mit Augen, die Tränen sehen
  • mit einer Wange, die liebevoll tröstet
  • mit einem Wort, das verteidigt, was eigentlich nicht recht war
  • ...

Jetzt sollte die Familie miteinander Fotos anschauen und zu jedem "Freudenstrahl" ein passendes Foto von Oma/Opa heraussuchen und auf ein Blütenblatt kleben. Nur so wird die Blume eigentlich zur wirksamen Erinnerungsblume.

 Eine Blume, die nie verwelkt
Aus unseren Erinnerungen ist eine Blume gewachsen. Es ist die Erin-nerungsblume von Oma/Opa. Diese Blume wird nie verwelken. Und sie wird immer strahlender unter uns, je mehr wir unsere Freudenstrahlen aussenden wie Oma/Opa.
Diese Blume erinnert uns an das Leben, das nicht zu Ende ist, auch wenn es in der Erde liegt und verborgen ist. Die Geschenke des Himmels geben die Kraft zum Leben, zum Weg, der ins Licht führt.
Zum Schluss unserer Abschieds- und Erinnerungsfeier wollen wir dem Himmel für Oma/Opa und all die Geschenke des Himmels an sie/ihn danken.

Dank- und Bittgebet: ...aus der Tiefe dem Himmel entgegen
Gott, du warst immer bei Oma/Opa – vom Anfang ihres/seines Lebens. Du bist immer bei ihr/ihm geblieben bis zum Schluss ihres/seins Lebens bei uns. Und über den Tod hinaus bleibst du bei ihr/ihm. Ich danke dir heute für die Geschenke, die du Oma/Opa gemacht hast, dass sie/er so gut für uns da sein konnte. Wir danken dir für die Freudenstrahlen, die Oma/Opa in unser Leben gebracht haben.
Jetzt bitten wir dich: Gib, dass wir die Freude über Oma/Opa nie verlieren!

An dieser Stelle können Fotos aufgeklebt werden:

      • Von Oma/Opa auf die Schalenaußenseite
      • Von den Eltern auf die Blätter
      • Von den Kindern (=Enkel) in die Blütenmitte (siehe Anhang)

Gib, dass wir, wann immer wir uns nach Oma/Opa sehnen, vor unserer Erinnerungsblume Trost finden und fest daran glauben können, dass Oma/Opa für uns zwar nicht mehr sichtbar ist, dass sie aber dennoch lebt, im Licht des Himmels.
Uns aber lass das Gute, das Oma/Opa in dieser Welt begonnen hat, weitertragen und so dieselbe gute Ausstrahlung bekommen wie sie.
Allen Dank und all unsere Bitten wollen wir hineinlegen in das Gebet, das der Herr uns selbst gelehrt hat: Vater unser...

Segenslied: (kann auch gebetet werden)
Komm, Herr, segene uns, dass wir uns nicht trennen, sondern überall uns zu dir bekennen.
Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen, Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

Keiner kann allein Segen sich bewahren. Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen. Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.

Frieden gabst du schon, Frieden muß noch werden, wie du ihn versprichst, uns zum Wohl auf Erden. Hilf, dass wir tun, wo wir ihn erspähen - die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.

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Gedankenwolke                                            Erinnerungsblume

 

 

 

Handreichung für die Zeit zwischen Tod und Beerdigung zum bewußten Abschiednehmen mit Kindern
(v. a. wenn ein Abschied von Angesicht zu Angesicht nicht möglich ist z.B. nach Unfällen, schwersten äußeren Verletzungen)
 

Fürchtet euch nicht!
                                           Lasst die Hände nicht sinken!

Gedanken im Voraus
Es wird von Eltern im Blick auf die eigenen Kinder immer wieder ängstlich und in verantwortungsvoller Sorge gefragt:
“Ist es nicht eine Überforderung, Kinder und Jugendliche mit den Themen zu konfrontieren, die für sie noch gar nicht anstehen: Sterben und Tod?”
Ist es wirklich so, dass diese Themen für Kinder nicht anstehen? - Nicht wir tragen diese Themen an die Kinder heran. Es ist der (un-)natürliche Lauf des Lebens, der auch Kinder mit Sterben und Tod in Berührung bringt.
Und vor allem wir Erwachsene sind es, die unvorbereitet und überrascht oder auch sprach- und hilflos dem Tod gegenüberstehen, wenn er erwartet oder plötzlich endgültig eintritt in unser Leben.

Sind es nicht wir Erwachsene, die den Tod schwer tragen können und Angst vor ihm haben? - Und ist es nicht eigentlich unsere Überforderung, die wir auf die Kinder übertragen, wenn wir unser Unverständnis in solche oder ähnliche Worte kleiden: “Dafür bist du noch zu klein!” “Das verstehst du noch nicht, das verstehen ja wir kaum!”
Sterben und Tod gehören zur Alltags- und Lebenswelt eines Kindes: Ein toter Vogel am Straßenrand, der tote Hase “Goldi” im wohlgehegten Stall und der Teddy, der beim Umzug verloren ging.
Wir Erwachsene sollten unsere Sorge für die Kinder verantwortungsvoll darin verwirklichen, gerade in Trennungs- und Verlusterlebnissen einfühlsam und angemessen zwar, aber dennoch bewußt auf heilende Krisenbewältigung im Leben vorzubereiten.

 Der hier zusammengestellte Abschiedsnachmittag folgte auf ein wirkliches Geschehnis, bei dem durch einen schrecklichen Unfall ein junger Ehemann und Vater von zwei Kindern im Alter von 5 und 9 Jahren starb.
Für den Nachmittag am Tag nach dem Unglück wurden die Kinder der Familie eingeladen, um mit einem Seelsorger (an seiner Stelle kann natürlich auch ein Familienangehöriger oder Freund tätig werden, der sich die Begleitung zutraut und gegebenenfalls aufbrechende Reaktionen bewerten und auffangen kann) und der Mutter und Ehefrau zusammen sich bewußt dem Tod des Vaters und Ehemanns, dem Abschiednehmen von ihm und den je eigenen Empfindungen zu stellen.
Bei der Vorbereitung des Nachmittags stand im gedanklichen Hintergrund, was Prof. Dr. Werner Burgheim (Pädagogik, insbesondere Krisenpädagogik) so zusammengefasst hat:

Kinder und Jugendliche brauchen in Leidenszeiten:

  • Menschliche Wärme
  • Feste und sichere Beziehungen
  • Menschen, die ihre starken Gefühle (Zorn, Traurigkeit, Freude, Verzweiflung) aushalten
  • Einen heilenden Rhythmus und geregelten Tagesablauf
  • Rituale
  • Kuschelstunden und körperlichen Kontakt
  • Keine langen Erklärungen, sondern kleine Häppchen an Information
  • die Gewissheit, dass sie am Geschehen keine Schuld tragen und geliebt werden
  • die Erlaubnis, sich fürsorglich und hilfsbereit zeigen zu dürfen
  • die Erlaubnis, mit Freunden über den Tod des Vaters, der Mutter reden zu dürfen

(Vgl. Qualifizierte Begleitung von Sterbenden und Trauernden, Forum Verlag 2001)

Vorbereitungen:
ein leeres Gedeck, Gipsverband, Niveacreme, Schere, Plastikschüssel mit Wasser, abwaschbare Unterlage, Malfarben oder Bastelmaterialien, Teelichter, ausgeschnittene Pappe-Herzen, ggf. Sterbebildchen, Musik

Ort:
Trauerhaus, Friedhofshalle

Zeitrahmen
ca. 2-3 Stunden

 

Fürchtet euch nicht! Lasst die Hände nicht sinken!
                                                         als Symbol steht die Hand im Mittelpunkt des Nachmittages

Einstieg
(“heilender Rhythmus und geregelter Tagesablauf!”)
Mutter und Kinder treffen sich mit dem Seelsorger zur vereinbarten Zeit zum Kaffee (auch ein gemeinsames Mittagessen am frühen Nachmittag ist vorstellbar) am Tisch, an dem die Familie im Regelfall zum Essen, Reden und Spielen zusammenkommt. Dabei wird, als stiller Impuls, der Platz des verstorbenen Vaters freigehalten, jedoch auch aufgedeckt. Nach dem Essen wird der Tisch abgeräumt, nur das Gedeck für den Vater bleibt.

(“Erlaubnis, mit Freunden über den Tod des Vaters reden zu dürfen!”)
Wenn wieder alle um den Tisch sitzen nimmt der Seelsorger das verbleibende Gedeck als Anlass über das Fehlen des Vaters (...) zu reden und

(“keine langen Erklärungen, sondern kleine Häppchen an Information”)
die Fragen der Kinder kindgerecht aber dennoch ehrlich und klar zu beantworten.

(“Gewissheit, dass weder Mutter noch Kinder am Tod Schuld haben und durch den Tod auch nicht aus der Liebe des Vaters herausgefallen sind.”)

Abschließend äußert auch er, dass das, was geschehen ist, ein Unglück ist, an dem niemand Schuld hat.

 

Seelsorger:
Es ist nicht einfach zu begreifen, was geschehen ist!
Für uns Erwachsene ist das schwer und für euch auch!
Euer Papa sitzt nicht mehr mit am Tisch!
Gestern - das wißt ihr - haben wir ihn in das Haus am Friedhof gebracht!
Das hat uns sehr weh getan.
Und das wird auch noch eine Weile so sein, Weil ihr euren Papa doch so lieb hattet!
Wenn jemand nicht mehr da ist, den man lieb hat, dann macht das sehr traurig und man muss weinen.
Das muss einfach sein! Meistens, fast immer tut das Weinen auch so gut.

Es ist wichtig, dass ihr weinen könnt. Es ist für euch wichtig, weil die Tränen alles aus uns herausfließen lassen, was nicht in uns bleiben soll.

(“Erlaubnis, sich fürsorglich und hilfsbereit zeigen zu dürfen.”)

Es ist aber wichtig, dass ihr den Erwachsenen helft zu weinen, denn die trauen sich oft nicht. Sie meinen, man ist schwach, wenn man weint.

(“Menschen, die ihre starken Gefühle aushalten”)

Dabei zeigt dein Weinen den anderen Menschen ganz einfach, dass du nicht begreifen kannst, was da geschehen ist.
 

Überleitung
Euren Papa könnt ihr nicht mehr greifen! Aber ihr wünscht euch das!
(Die Kinder hatten selbst den Wunsch geäußert, den Vater noch einmal zu sehen, schließlich blieb dieser direkte Abschied aufgrund der schweren, nicht zu ertragenden Verletzungen aus)

Ihr wollt ihm eigentlich noch einmal die Hand geben!
Ihr wollt immer zu ihm halten, so wie er immer zu euch halten will! Aber mit dieser Hand (Hand zeigen) können wir das nicht! Diese Hand muss den Papa loslassen!
 

Veranschaulichung
Aber wir könnten ihm unsere Hand auf andere Weise mitgeben.

Gipsbinden, in Streifen geschnitten, ein Handtuch, eine abwaschbare Tischdecke oder Unterlage, eine Schüssel mit Wasser, Niveacreme werden zu Tisch geholt. Dann wird im Kreis besprochen, wer sich von wem seine eigene Hand nachmodelieren lässt.

Die Hand wird flach, mit dem Handrücken nach oben und mit leicht gespreizten Fingern auf die Tischfläche gelegt. Dann wir sie nachgebildet, indem ein Gipsverband-Streifen nach dem anderen auf die Hand vom Gelenk zu den Fingerspitzen gelegt wird (Gipsstreifen vorher kurz in Wasser legen). Insgesamt etwa drei Lagen übereinander legen und vorsichtig verstreichen. Nach Abschluss des Auflegens Hand ruhig halten und antrocknen lassen. Dann behutsam die Hand vom Tisch lösen und die Gipshand ablösen, indem Finger um Finger, letztlich die Mittelhand aus der Gipsschale “ausgerollt” wird. Die fertigen Gipshände werden wieder auf den Tisch gelegt.

Zur Arbeit kann (be-)ruhige(nde) Musik gespielt werden.

(“Körperlichen Kontakt ermöglichen / menschliche Wärme und Nähe spüren”)

Nachdem alle Hände gefertigt sind und vor den Anwesenden liegen, nimmt sie der Seelsorger und dreht sie alle zu “offenen Händen”, zu gebenden und nehmenden Händen um.

Seelsorger:
Schau jetzt deine Hand an! Sie ist offen, wie eine Schale. Mit einer offenen Hand kann man......(Antwort fordernde Pause”........nehmen und geben!

Ja! Versuch dich mal zu erinnern, was dir dein Papa so alles gegeben hat! Nicht nur für die Hand, sondern auch für dein Herz!

(Dabei wrid um jede Hand ein aus Pappe ausgeschnittenes Herz gelegt. Erinnerungen werden ausgetauscht. Während die Kinder von guten Erinnerungen erzählen, stellt der Seelsorger ein Teelicht ins Herz)

(“bekanntes Ritual der Verbundenheit mit Verstorbenen”)
 

Annahme und Hingabe

Papa hat uns soviel gegeben, was unser Herz hell gemacht hat! Was er uns geschenkt hat wollen wir fest im Herzen halten!
Aber wir wollen ihm auch etwas geben, weil er auch uns soviel gegeben hat.
Was könnten wir ihm mitgeben ins Grab? -
(Gegenstände können in die Hand gelegt werden. Bilder können in die Hand gemalt werden, Texte können eingeschrieben werden......)

Was in euren Händen liegt wollt ihr eurem Papa geben! Das werden wir auch jetzt tun. Wir werden unsere gefüllten Hände ihm bringen!
Auch wir wollen, dass für ihn immer Licht im Herzen leuchtet. Die Hände sollen allen zeigen, wie wichtig er für uns war, wie lieb wir ihn hatten, und wie schade und traurig es ist, dass er nicht mehr bei uns ist!

Alle Anwesenden gehen miteinander auf den Fiedhof und nehmen die Hände mit. Die Herzen bleiben zu Hause; in sie kann später das Sterbebildchen eingeklebt werden und sie können als Erinnerung aufgehängt werden. Am Eingangstor des Friedhofes werden Teelichter ausgeteilt und angezündet. Jedes Kind trägt sein Licht behutsam in seiner Hand zum Sarg. Dort werden die Hände mit den Gaben und den brennenden Kerzen um den Sarg abgelegt. Persönliches und situationsbezogenens Gespräch begleitet dieses bedächtige Tun.

Abschluss
Wie unsere geformten Hände wollen wir jetzt auch unsere echten Hände zu Schalen formen und so miteinander beten, dabei an Papa denken und an uns:

Vater unser im Himmel.... Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

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