Ein Wort im Voraus
Diese rituelle Feier wurde erarbeitet für
all jene, die mit Kindern von ihnen sehr nahestehenden Menschen (verstorbene Mutter, verstorbener Vater: im Normalfall die „Mitte“ einer Familie, von ihrer/m Verwandten oder Freund/-in ... ) Abschied nehmen wollen.
Als „rituelle Abschiedsfeier“ ist sie anzusetzen in der Zeit zwischen Tod und Trauergottesdienst bzw Beerdigung.
Den nonverbalen Zeichen kommt eine besondere Bedeutung zu. Diese non-verbalen Zeichen müssen stark aus ihrem Kontext und
ihrem Vollzug sprechen. Weil der Mensch – und vor allem Kinder – nicht nur Kopf ist, und sein Zugang zur Wirklichkeit nicht allein über den Intellekt geschieht, zielt diese Feier auf sinnenhaftes Erleben und Äußern. Dominierend ist in
dieser Feier das zeichenhafte Element Licht. Es steht symbolhaft für den auferstandenen Herrn, im Licht seiner Herrlichkeit, in das er auch alle Verstorbenen rufen will. Dieses Licht leuchtet sowohl den Toten als auch den Trauernden.
Die Teilnehmer dieser Feier sollen leibhaft, also mit Kopf und Herz erfasst werden und auf diesem Weg Ausdrucksmöglichkeiten bekommen, die das gesprochene Wort vielleicht nicht eröffnen könnte. Dem Seelsorger bzw. der Seelsorgerin kommt
die wichtige Aufgabe zu, diese Zusammenkunft so glaub-würdig wie möglich zu vollziehen, sodass sie wirksam der Wirklichkeit des Abschiednehmens entspricht.
Wie immer im Umfeld des Todes, hängt die Gestaltung einer solchen
Abschieds-feier selbstverständlich auch von vielen äußeren und inneren Faktoren ab, die es unbedingt nötig machen, sich im Voraus auf die Arbeit mit diesem Geheft gut vorzubereiten. Vor allem ist vorab an die Vielfalt kindlicher
Trauerreaktionen zu denken, was aber nicht Angst vor der Begleitung beim Abschiednehmen einflößen soll, sondern den Begleiter, die Begleiterin sensibilisieren soll und ihm/ihr in der Feier selbst die nötige Sicherheit und ruhige
Ausstrahlung geben will.
Immer gilt es zu bedenken – vor allem, wenn gute Tränen fließen – dass die Abschiedsfeier helfen will, den Trauerprozess nicht zu verdrängen, sondern zuzulassen und bewusst begleitet zu durchleben.
Es muss
wohl nicht noch lange ausgeführt werden, dass es unabdingbar ist, die Feier dem Alter und dem Entwicklungsstadium des Todeskonzeptes der Kinder anzupassen.
Der Ort des Abschiednehmens kann sein:
Im Blick auf die räumlichen Verhältnisse sollte jedoch bedacht werden, dass diese Feier angemessen Platz braucht, da sie als „Kreis-Bänder-Ritual“ gestaltet ist. Stille bzw. Musik sind nicht Ausdruck der
Sprachlosigkeit im Angesicht des Todes, sondern vielmehr der nötige Raum und die Zeit SINN-voll zu trauern, d. h. mehr die Sinne, als die Stimme reden zu lassen.
Symbole und Gesten sollen dabei helfen, „auszudrücken, was sich
eindrücken will“! So soll, was nicht zu begreifen ist, begreiflich werden. Sie wollen auf emotionaler Ebene ansprechen. Dabei können sie als wohltuend, aber auch als leerer Ritus empfunden werden. Darum sind sie mit aller Sorgfalt und
mensch-lichem Fingerspitzengefühl zu setzen.
Die Mitte dieser Abschiedsfeier bildet der verstorbene Mensch im Licht der biblischen Verheißungen.
Glaubensvorstellungen und hoffnungsvolle Gedanken aus der Hl. Schrift können zur Antwort
auf die vielen ungestellten Fragen und ungeäußerten Ängste des Kindes im Zusammenhang mit dem Tod werden. Der Glaube ist als großer Schatz der Trostmöglichkeiten zu sehen, ohne mit wirklichkeitsfernen Phrasen nur vertrösten zu wollen.
Deshalb sei dem, der begleitet, abschließend in Erinnerung gerufen, dass
Noch ein Hinweis: Immer wieder stellen Eltern die gewichtige und sorgenvolle Frage, wie weit man mit Kindern beim Abschiednehmen gehen darf. Aus vielen praktischen Erfahrungen kann hier nur bestätigt werden, was sich zunehmend in Veröffentlichungen zum Thema Trauer findet: Wenn Kinder den toten Menschen sehen und ihn anfassen können, dann be-greifen sie! Sie begreifen, daß der Mensch tot ist und sie begreifen, was “tot” ist. Ist der geliebte Mensch durch einen Unfall oder durch Suizid gestorben, ist sein Anblick stark verändert, so stellt sich für viele Menschen die Frage, ob man den Toten auch dann anschauen sollte. Auch hier ist es für Kinder gut, wenn sie sich im Schutz eines vertrauten Menschen verabschieden können. Nur wenn jemand stark entstellt ist, ist es günstiger, in einer anderen Form von dem Verstorbenen Abschied zu nehmen.
Vorbereitungen
Seelsorgliche Routine ablegen, Mut zur Liebe fassen und das Herz öffnen für die Erfüllung, die als Geschenk zu jedem zurückkommt, der sich seelsorgend verschenkt.
Literatur:
Die Abschiedsfeier im Überblick
Eröffnung
Stiller Impuls, Einführung, Entzünden der „Kleinen Lichter“
Leuchtende Erinnerung
Das Bild der Mutter/des Vaters, viele „kleine Lichter“ ergeben ein großes Licht
Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht, Lied / Musik
Wünsche
Wünsche für Mutter/Vater bzw. ...,Wünsche für meine Frau/meinen Mann bzw. ...
Wünsche für uns, Wünsche an Gott
Stern der Verheißung
Lied/ Musik, göttliche Verheißungen, Herzen erblühen, Evangelium
Gebet
Gebet, Vater unser (sich an den Händen haltend)
Segen
Segensbitte, Austeilen der Sternlichter
... du bleibst immer in unserer Mitte!
Am Ort des „Abschiedsfestes“ ist ein Mitte vorbereitet worden. Sie ergibt sich durch das sternförmige Übereinanderlegen der von zwei Seiten her eingerollten „Verheißungs-bänder“. Auf den Bändern in der Mitte
liegt ein schönes rotes (Liebe) oder gelbes (Licht) Tuch soweit ausgebreitet, dass darauf ein Bild der Mutter/des Vaters (oder eines dem Kind nahestehenden Menschen), die ausgeteilten „kleinen Kerzen“ und eine Bibel Platz finden. Alle
Teilnehmer stehen im Kreis um diese Mitte. Zu Beginn steht auf dem Tuch nur eine brennende Kerze.Zu den unten erwähnten Gläsern mit Teelichtern: nach dem Tod bzw. der Todesnachricht könnte der Seelsorger dem Kind die Aufgabe geben, das
Glas mit Farben so zu verzieren, zu bemalen, wie es der Mutter/dem Vater ... bestimmt gefallen hätte.
Eröffnung
Stiller Impuls
Als stiller Impuls zu Beginn der Feier teilt S (im Folgenden immer für Seelsorger /-in) an alle im Kreis stehenden Teilnehmer eine angebrannte, jedoch wieder
gelöschte Kerze aus.
Einführung
Liebe(r) N.N., liebe Verwandte und Freunde von N.N. (Vrerstorbene/r).
Eine Kerze liegt in unserer Hand. Eine Kerze ist nur eine Kerze, wenn sie Licht und Wärme ausstrahlt.
Wo eine Kerze brennt, fühlt man sich wohl und freut sich am Leben.
Wir fühlen uns jetzt nicht wohl. Wir sind traurig über den
Tod von N.N. Es ist dunkel in uns und um uns. Das Dunkel der Traurigkeit will das Licht und die Freude in uns verdrängen.
Entzünden der „Kleinen Lichter“
Wir aber wollen uns dieses Licht nicht nehmen lassen.
S teilt von der Kerze in der Mitte das Licht an die Teelichter aus.
Wir wollen es bewahren und schützen.
S teilt schützende Gläser aus oder fordert auf, das Teelicht in das selbst vorbereitete
Glas zu stellen.
Leuchtende Erinnerung
Das Bild der Mutter/des Vaters
Wir haben das Licht zu uns zurückgeholt. Das zeigt unsere Kerze.
Auch die Freude wollen wir zurückholen.
Dazu lädt uns das Bild von N.N. ein.
Ein Bild der verstorbenen Mutter/des verstorbenen Vaters wird in die Mitte gelegt.
Viele „kleine Lichter“ ergeben ein großes Licht
Wir wollen nun aus dem kleinen
Licht in der Mitte wieder ein strahlendes großes Licht werden lassen. Dazu stellen wir nun nacheinander unser Licht zum Bild von N.N. in die Mitte. Beim Abstellen des Lichtes darf jeder eine freudevolle Erinnerung an N.N. sagen oder denken.
Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht
Licht bringt Freude zurück! Auch Gott will sein wie Licht. Er will sein, wie Licht in der Nacht.
Lied: Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht
Wünsche
Wenn wir Menschen jemanden verabschieden, dann gibt man ihm noch Wünsche aus dem Herzen mit
auf den Weg. Das wollen auch wir jetzt tun, weil wir ein Herz für N.N. haben:
S teilt „Blumen-Herzen“ an alle Teilnehmer aus. Auf diesen Herzen stehen die Impulssätze: „Ich wünsche meiner
Mama/meinem Papa..., damit unser Leben wieder blühen kann“ ; „Ich wünsche meiner Frau/meinem Mann..., damit...“; „Ich wünsche uns..., damit...“; „Ich wünsche mir von Gott...“; (ggf. anpassen!)
Die Teilnehmer sollen die Sätze sprechen oder in stillen Gedanken ergänzen und die Herzen in Händen halten.
Wünsche für Mutter/Vater oder ...
Wünsche für meine Frau/meinen Mann oder ...
Wünsche für uns
Wünsche an Gott
Stern der Verheißung
Lied/ Musik
Göttliche Verheißungen
Gott kann in unseren Herzen lesen, welche Wünsche darin liegen. Auf unsere Wünsche will er mit seinen
guten Worten antworten. Aus dem Licht, in dem N.N. jetzt ist, schickt er seine Lichtstrahlen zu uns, damit unsere Herzen wieder einmal aufblühen können, wenn die Zeit dazu gekommen ist.
S spricht nun Gott an und lädt dann ein, die Herzen mit ausgestreckten Armen der Christus-Kerze in der Mitte
entgegenzuhalten und dann die noch zusammengerollten Verheißungsbänder von 1 bis 8 aufzurollen.
Gott du kennst unser trauriges Herz. Du willst uns und N.N. jetzt nicht allein lassen. Wir halten unsere
Herzen dir entgegen. Erfülle unsere Herzen mit deinem Trost.
1. Es werde Licht. Und es wurde Licht! (Gen1,3)
2. Gottes Wort ist deinem Fuß eine Leuchte! (Ps 119,105)
3. Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht! (Jes 9,1a)
4. Denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf. (Jes 9,1b)
5. Der Herr erleuchtet die Augen deines Herzens. (Eph 1,18)
6. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht lischt er nicht aus ( Jes 42,3)
7. Heute ist ein heilender Tag... (Neh 1,4)
8. Ich will mit dir sein und dich segnen (Gen 26,3b)
Herzen erblühen
Wenn alle Verheißungsbänder ausgerollt sind, falten alle Teilnehmer ihre Herzen zu einer Blume auf und legen sie
an das Ende je eines Verheißungsbandes.
Evangelium
Die Bibel wird aus der Mitte genommen und daraus vorgelesen, Dann wird sie wieder zurückgelegt.
Die Begegnung mit dem Auferstandenen auf dem Weg nach Emmaus
13 Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig
Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
15 Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.
16
Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, sodass sie ihn nicht erkannten.
17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen,
18
und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19
Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk.
20
Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte
Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22 Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,
23
fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
24
Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
25 Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die
Propheten gesagt haben.
26 Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?
27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über
ihn geschrieben steht.
28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich
schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30 Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen
31
Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr.
32 Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?
33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt.
34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.
Gebet
Gott, himmlischer Vater, wir haben deine Botschaft gehört. Du willst uns damit froh machen. Du willst
uns sagen, dass Mama/Papa lebt und dass wir immer zu dir kommen dürfen, wenn sie/er uns fehlt.
Mama/Papa wird jetzt noch mehr für uns da sein. Aber auch sie/er wird manchmal sehr traurig sein.
Dann braucht auch sie/er einen guten Freund, dann braucht sie/er dich, den Vater im Himmel:
Vater unser (sich an den Händen haltend)
Segen
Segensbitte
Der Herr segne und behüte uns, er lasse sein Angesicht über uns leuchten und schenke uns sein Licht.
Es segne uns Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
“Bildsterne“ – Annahme und Hingabe
Unser gemeinsames Erinnern und Beten ist wieder zu Ende. Wir gehen von unserer Mitte weg.Wir gehen
weg vom Licht und von einem Foto.Trotzdem wollen wir aber das Licht in unserem Herzen halten. Dafür nehmen wir unser geschütztes Licht mit auf den Weg. Auch das Bild von N.N. wollen wir mit uns
nehmen, damit in allem Dunkel immer ein Stern in ein gutes Morgen führt.
S teilt an alle den im Anhang beschriebenen verschlossenen Stern aus. Entweder es sind bereits Bilder von der/dem
Verstorbenen (scannen, kopieren o. ä.) in den Stern geklebt oder sie können in der Zeit bis zur Beerdigung eingeklebt werden.
Ja, und schließlich liegt da für jede und jeden noch ein Stern. Du darfst ihn mitnehmen und bis zur Beerdigung in diesen Stern schreiben, was du deiner Mama/deinem Papa sagen willst, was sie ihrer
Frau/ihrem Mann, ihrer... sagen wollen. Diese Sterne sollt ihr dann Mama/Papa am.(Beerdigungstag) mitgeben.
Die Sterne sollen dann bei der Beerdigung auf den Sarg gelegt werden und schließlich mit ins Grab geworfen
werden.
Rituelle Feier -
mit Kindern und Erwachsenen von der verstorbenen Mutter, dem verstorbenen Vater Abschied nehmen
Du bleibst immer in unserer Mitte.....


trauer-fundgrube