Trauer gehört zum Leben
Trauer und Traurigkeit sind uns nicht fremd:
    
- Trauer über verpaßte Chancen im Leben
    
- Trauer über den Verlust der Jugend
    
- Trauer über den Tod eines geliebten Menschen.

So ragen Tod und Abschied immer wieder in unser Leben hinein, doch meist sind wir nur Zuschauer. Wenn es uns dann ganz persönlich trifft, ist das eine dramatische Erfahrung. Wir werden bis in die Grundfeste unserer Existenz erschüttert, unser Leben wird völlig auf den Kopf gestellt und nur schwer ist eine Neuorientierung vorzustellen.
Wir erfahren plötzlich den Tod und damit in gewisser Weise die Vorwegnahme unseres eigenen Todes. Mit dem geliebten Menschen stirbt auch ein Teil von uns, vieles geht für immer verloren.
Bei Angehörigen vermischen sich Sterbe- und Trauerprozeß. Wir müssen erfahren, daß vieles in uns selber stirbt, lehnen uns dagegen auf, wollen noch retten, was zu retten ist, fallen schließlich in tiefe Traurigkeit.
Das Gefühl, das uns hilft, diese bitteren Erfahrungen zu bewältigen, ist die Trauer.

Das sollten Trauernde wissen:

    Ø Trauer gehört zu unserem Leben.
    Ø Trauer ist keine Krankheit.
    Ø Trauer ist eine lebenswichtige Reaktion.
    Ø Trauer ist eine spontane, natürliche, normale Reaktion unserer ganzen Person auf Verlust, 
           Abschied und Trennung.
    Ø Trauer ist die Möglichkeit, gesund Abschied zu nehmen.
    Ø Trauer erfaßt den ganzen Menschen und berührt alle seine Lebensbereiche.
    Ø Trauer wird individuell ganz unterschiedlich erlebt und gestaltet.
    Ø Trauer hat viele Gesichter.

    Mögliche Gefühle, Gedanken und körperliche Reaktionen während eines Trauerprozesses:

    Gefühle, die bei Trauernden auftreten können:
    Angst, Schock, Hilflosigkeit, Abgestumpftheit, Betäubung, Wut, Sehnsucht, Kummer, Schuldgefühle, Verzweiflung, Aggression, Lachen, Zorn, Befreiung, Gleichgültigkeit, Selbstmitleid, Freude, Einsamkeit, Haß, Liebe, Leere, Dankbarkeit, Schmerz.

    Körperliche Empfindungen, die bei Trauernden auftreten können:
    Müdigkeit, Leeregefühl im Magen, Zittern, Herzklopfen, Herzrasen, Beklemmung im Brustbereich, Kurzatmigkeit, zugeschnürte Kehle, Appetitmangel, Überempfindlichkeit, Muskelschwäche, Schwächeattacken, Überaktivität, Verändertes Zeitempfinden.

    Gedanken und Phantasien, die bei Trauernden auftreten können:
    Der Verstorbene wird gesucht, gerufen, gesehen, gerochen. Laute Selbstgespräche, fehlende Zukunftsperspektiven, konfuse Gedanken, Verwirrtheit, Desinteresse, Wahnvorstellungen, Sprechen mit dem Verstorbenen, wirre Träume, Leben in einer Phantasiewelt mit dem Verstorbenen.

Trauer darf weder verdrängt noch versteckt werden. Jeder Mensch muß trauern können. Wir müssen die Trauer zulassen, Trauer muß erlebt und durchlebt werden. Denn nur dann, wenn die Trauer bewältigt wird, wenn ihr Zeit und Raum gegeben wird, kann aus der Trauer heraus neuer Lebensmut entstehen.

 

Um sich selbst in der eigenen Trauer oder andere trauernde Menschen besser verstehen zu können, ist es gut, Grundsätzliches über die Trauer und ihre Phasen zu kennen:

TRAUERPHASEN nach Verena Kast

Das folgende Modell der Trauerphasen wurde von der Schweizer Psychologin V. Kast entwickelt und gilt als eine der wichtigsten Grundlagen für das Verständnis der Trauerprozesse.
Jedes prozeßhafte Geschehen ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, daß es einen klaren Beginn und ein klares Ende hat. Der Beginn des Trauerprozesses ist der Verlust des geliebten Menschen. Wie dieser Beginn im Einzelfall abläuft ist oft entscheidend für den weiteren Verlauf der Trauer.
Das Ende des Trauerprozesses ist durch eine Neuorientierung des gesamten Lebensgefüges zu sehen.
Wie lange das Trauergeschehen dauert, ist ganz unterschiedlich, auch die Dauer der einzelnen Phasen kann völlig variieren. Art und Dauer des Trauerprozesses werden von der Persönlichkeit des Trauernden, von den Umständen des Todes und der Beziehung zum Verstorbenen bestimmt.


1. Trauerphase: Nicht-Wahrhaben-Wollen
Der Tod eines Menschen schockiert immer, auch wenn er nicht unerwartet kommt. Auf einmal ist alles anders. Verzweiflung, Hilf- und Ratlosigkeit herrschen vor. Das Geschehene wird noch nicht erfaßt, man leugnet es ab, man kann und will es nicht glauben.
Viele Menschen sind wie erstarrt, verstört und völlig apatisch. Andere geraten außer Kontrolle, brechen zusammen.
Der Tod hat etwas Überwältigendes, der Schock sitzt tief.
Körperliche Reaktionen: rascher Pulsschlag, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, motorische Unruhe.
Diese Phase kann wenige Stunden bis – vor allem bei plötzlich eingetretenen Todesfällen - mehrere Wochen dauern.

Mögliche Hilfen in dieser Phase:

    Ø Alltägliche Besorgungen übernehmen.
    Ø Trauernde dort unterstützen, wo sie überfordert sind.
    Ø Hilfestellung bei Regelungen, die im Zusammenhang mit dem Todesfall stehen.
    Ø Trauernde nicht allein lassen.
    Ø Trauernde in ihren Reaktionen nicht bevormunden.
    Ø Da-Sein, ohne viel fragen.
    Ø Alle Gefühle der Trauernden zulassen: alles darf sein!
    Ø Die scheinbare Empfindungslosigkeit, das Fehlen der Tränen, die Starre aushalten.
    Ø Wärme, Mitgefühl vermitteln.
    Ø Die eigenen Gefühle zum Ausdruck bringen, wenn es angebracht und notwendig erscheint.

 

2. Trauerphase: Aufbrechende Emotionen
Gefühle bahnen sich nun ihren Weg. Leid, Schmerz, Wut Zorn, Freude, Traurigkeit und Angst können an die Oberfläche kommen. Je nach der Persönlichkeitsstruktur des Trauernden herrschen verschieden Gefühle vor. „Warum mußte es ausgerechnet mich treffen?“ oder „Womit habe ich das verdient?“ Das sind Fragen, die sehr leicht aufkommen. Man schreit seinen Schmerz heraus, Wut und Zorn entstehen gegen Gott und die Welt. Aber auch gegen den Toten werden Vorwürfe gerichtet: „Wie konntest du mich nur im Stich lassen?“ oder „Was soll nun aus mir werden?“ Diese aggressiven Gefühle können sich aber auch gegen einen selbst richten: „Hätte ich nicht besser aufpassen müssen?“ oder „hätte ich das Unglück nicht verhindern können?“
Als Folge davon entstehen Schuldgefühle, die den Trauernden quälen.

All diese Gefühle, die zu diesem Zeitpunkt über einen hereinbrechen, sollte man keineswegs unterdrücken. Sie helfen dem Trauernden, seinen Schmerz besser zu verarbeiten.
Werden sie jedoch unterdrückt, so können diese Gefühle viel zerstören, sie führen dann nicht selten zu Depressionen und Schwermut.
Die Dauer dieser Phase läßt sich nur schwer abschätzen, man spricht etwa von ein paar Wochen bis zu mehreren Monaten.

Mögliche Hilfen in dieser Phase:

    Ø Gefühlsausbrüche zulassen, da sie heilsam sein können.
    Ø Ausbrüche von Wut und Zorn gehören ebenso wie depressive Stimmungen und Niedergeschlagenheit
           zum Vorgang des Trauerns.
    Ø Nicht von ungelösten Problemen, Schuld und Konflikt ablenken.
    Ø Ablenken fördert nur das Verdrängen, was zu einer Verzögerung des Trauerprozesses führen kann.
    Ø Probleme aussprechen lassen.
    Ø Schuldgefühle nicht ausreden, aber auch nicht bekräftigen, sondern schlicht zur Kenntnis nehmen.
    Ø Am Erleben und Erinnern des Trauernden Anteil nehmen.
    Ø Da-Sein, Zuhören.
    Ø Anregungen für alltägliche Hilfen (z.B. Tagebuch schreiben, Malen, Musikhören, Spazierengehen,
           Entspannungsübungen, Bäder,...) geben.
    Ø Eigene „Geschichten“ zurückhalten.
    Ø Keine Interpretationen oder wertende Stellungnahmen geben.

 

3. Trauerphase: Suchen und Sich-Trennen
Auf jeden Verlust reagieren wir mit Suchen. Was wird eigentlich in der Trauer gesucht? Zum einen der reale Mensch, das gemeinsame Leben, gemeinsame Orte mit Erinnerungswert. Auch in den Gesichtern Unbekannter wird nach den geliebten Gesichtszügen gesucht. Gewohnheiten des Verstorbenen werden übernommen.
Gemeinsame Erlebnisse sollen Teile der Beziehung retten und werden gleichsam als „Edelsteine“ gesammelt. Dies erleichtert die Trauer. In inneren Zwiegesprächen wird eine Klärung offener Punkte möglich, kann Rat eingeholt werden.
Durch diese intensve Auseinandersetzung entsteht beim Trauernden oft ein starkes Begegnungsgefühl. Das ist unheimlich schmerzhaft und unendlich schön zugleich!
Im Verlaufe dieses intensiven Suchens, Findens und Wieder-Trennens kommt einmal der Augenblick, wo der Trauernde die innere Entscheidung trifft, wieder ja zum Leben und zum Weiterleben zu sagen oder aber in der Trauer zu verharren.
Je mehr gefunden wird, was weitergegeben werden kann, umso leichter fällt eine Trennung vom Toten.
Dieses Suchen läßt aber auch oft eine tiefe Verzweiflung entstehen, weil die Dunkelheit noch zu mächtig ist. Suizidale Gedanken sind in dieser Phase relativ häufig.
Diese Phase kann Wochen, Monate oder Jahre dauern.

Mögliche Hilfen in dieser Phase:

    Ø Alle Erlebnisse der Vergangenheit dürfen ausgesprochen werden – keine Zensur!
    Ø Akzeptieren, daß immer wieder in den verschiedensten Formen „gesucht“ wird.
    Ø Geduld.
    Ø Zuhören – auch wenn man die Geschichten alle schon kennt.
    Ø Gefühle ernst nehmen, die durch Erinnerungen oder Erzählungen wieder auftauchen.
    Ø Phantasien zulassen, die den Tod des Verstorbenen bezweifeln – ohne selbst mit zu phantasieren.
    Ø Bei suizidalen Äußerungen kontinuierlich begleiten.
    Ø Zeit lassen.
    Ø Kein Drängen auf Akzeptieren des Verlustes.
    Ø Unterstützung bei Ansätzen der Neuorientierung.

 

4. Trauerphase: Neuer Selbst- und Weltbezug
Nachdem man seinen Schmerz herausschreien durfte, anklagen und Vorwürfe machen durfte, kehrt allmählich innere Ruhe und Frieden in die Seele zurück. Der Tote hat dort seinen Platz gefunden.
Langsam erkennt man, daß das Leben weitergeht und daß man dafür verantwortlich ist. Es kommt die Zeit, in der man wieder neue Pläne schmieden kann. Der Trauerprozess hat Spuren hinterlassen, die Einstellung des Trauernden zum Leben hat sich meist völlig verändert.
Der Verstorbene bleibt ein Teil dieses Lebens und lebt weiter in den Erinnerungen und im Gedenken.

Mögliche Hilfen in dieser Phase:

    Ø Dazu beitragen, daß der Trauernde auch den Begleiter loslassen kann.
    Ø Akzeptieren, daß man so nicht mehr gebraucht wird.
    Ø Eigene „Bedürftigkeit“, helfen zu müssen, überprüfen (Helfer-Syndrom!).
    Ø Veränderungen im Beziehungsnetz des Trauernden begrüßen und unterstützen.
    Ø Neues akzeptieren.
    Ø Sensibel bleiben für Rückfälle.
    Ø Gemeinsame Formen suchen, die Trauerbegleitung behutsam zu beenden oder umzugestalten.

 

Zusammenfassung: Jedes Trauergeschehen kann je nach der Ausgangssituation unterschiedlich verlaufen. Dies muß bei der Begleitung Trauernder berücksichtigt werden. Es gibt nicht das „eine“ typische Gefühl, die „eine“ typische Reaktion. Vielmehr verlangt Trauerbegleitung ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, Offenheit und Flexibilität. Gerade in einer Zeit, in der Trauerrituale immer mehr verschwinden, die Unsicherheit  im Umgang mit Trauernden steigt und die Gefahr der Isolation Trauernder in der Gesellschaft ständig zunimmt.

Literatur:

Monika Specht-Tomann, Doris Tropper, Zeit des Abschieds, Sterbe- und Trauerbegleitung, Düsseldorf, Patmos 1999

 

Mit Kindern über den Tod sprechen:
Altersspezifisches Verständnis von Sterben und Tod,
allgemeine Gedanken zum Gespräch mit Kindern über den Tod.c

Dafür bist Du nicht zu klein....
Mit Kindern über den Tod sprechen

Altersentsprechende Entwicklung des Todeskonzeptes beim gesunden Kind
nach Wintsch, Wittkowski, Zengaffinen, Löble
 

Neun Monate bis ein Jahr

  • Verlust und Trennungsangst schlagen sich in symbolisierten Riten des “ Da/Nicht-Da” Spielens nieder.
  • Weg sein und tot sein ist gleichbedeutend.
  • Das Kind im nichtsprachlichen Stadium erkennt zwar nicht den Tod, es erkennt aber die Abwesenheit eines Menschen.
  • Das Kind erlebt in dieser Zeit einen Verlust ausschließlich durch traurige Stimmung und Gefühle.
  • Möglich ist die Unterscheidung zwischen belebt und unbelebt.

Ein Jahr bis drei Jahre

  • Das Kind kann noch sehr wenig oder gar nichts mit dem Begriff  Tod anfangen. Es reproduziert aber sehr früh Verlust und Tod. (Streichholz anzünden, um es dann ganz schnell wieder auszublasen)
  • Die Endgültigkeit des Todes wird nicht erfasst. (Rollenspiele, z.B. nach Verkehrsunfällen: Du bist jetzt schnell tot, nachher aber bist du wieder lebendig.)
  • Die Beobachtung von belebt und unbelebtn wird ausgedehnt.

Vier Jahre

  • Das Kind gewinnt langsam eine gewisse Vorstellung vom Tod. Es benutzt das Wort; die entsprechende Empfindung dazu aber fehlt noch.
  • Kinder in diesem Alter nehmen noch nicht an, dass sie selbst einmal sterben müssen.
  • Die Beobachtung von belebt und unbelebt wird ausgedehnt.
  • Das Kind konfrontiert den Tod in rituellen Spielen (Indianer, Krieg...)
  • Auch Getier wird verfolgt und oft grausam gequält und getötet.

==> Es ist wichtig, die Wünsche des Kindes nach Kreativität zu unterstützen, seine Neugierde nach Erfahrungen und Wissen über Tod und Leben zu befriedigen.Ebenso wichtig sind Gespräche, die das Kind für die Gefühle und Rechte anderer Lebewesen sensibilisieren.

drei bis fünf Jahre

  • Dem Kind ist nicht klar, dass der Tod unvermeidlich ist.
  • Im Gegenteil: Das Kind glaubt in einer “magischen Phase” den Tod durch bestimmte Verhaltensweisen vermeiden zu können. (verstecken!)
  • Einige Menschen müssen sterben (alte), die meisten aber nicht (junge Umwelt der Kinder).
  • Der Tod wird als vorübergehender Zustand (Reise oder Schlaf) angesehen.
  • Statt Nonfunktionalität glaubt das Kind an graduell abgestuftes Lebendigsein.
  • Äußere Gewalteinwirkung wird als Todesursache erlebt, innerorganische Ursachen noch nicht.

Sechs bis acht Jahre

  • In diesem Alter beginnt die personifizierte Vorstellung vom Tod (Engel, Sensenmann, Skelett).
  • Kinder beschäftigen sich gern mit der Peripherie des Todes (Grab, Beerdigung).
  • Es tauchen jetzt Gefühlsreaktionen auf, die vom Kind auch bewusst erlebt werden (Das Kind macht sich jetzt z.B. Gedanken, ob auch seine Mutter sterben könnte):
  • Gedankliche Verknüpfungen werden jetzt hergestellt: erlebtes Sterben im Krankenhaus ==> auf Krankenhaus folgt immer Sterben ==> Kind will nie ins Krankenhaus.
  • Das eigene Sterben wird noch (wissentlich) geleugnet/verdrängt. Mit ca. acht Jahren aber auch als eigenes Schicksal angenommen.
  • Das sachliche Interesse am Tod ist jetzt am größten.
  • Jetzt taucht die Frage nach dem, was nach dem Tod kommt, auf.

ab neun Jahren

  • Das Kind stellt die Beziehung zu logischen und biologischen Tatsachen her (kein Puls, keine Temperatur, keine Atmung => Tod!).
  • Das Kind richtet seine Aufmerksamkeit jetzt direkt auf den Tod, nicht mehr nur auf die Peripherie.
  • Ab neun Jahren nimmt parallel mit dem Bewußtsein, selbst älter zu werden und einmal sterben zu müssen, sein Interessse am Tod zu.
  • Der Tod wird als Strafe für alles Schlechte, was man getan hat, gesehen: Das Schlechte, das der Tote selbst getan hat, aber auch das Schlechte, das die trauernden Angehörigen getan haben. Somit könnte der Tod auch eine Strafe für die Fehler des Kindes sein!

Ab ca. zwölf Jahren

  • Jugendliche ordnen den Begriff “Leben” Menschen, Tieren und Pflanzen zu.
  • Sie können unterscheiden zwischen Formen des Lebens, dem eigenen Ich und der übrigen Realität.
  • Sie können die Endgültigkeit und die weitreichende, unausweichliche emotionale Bedeutung des Todes erkennen.
  • Alle wesentlichen Denkmuster, die auch die Erwachsenen haben, sind ihnen gedanklich zugänglich.
  • Abwehr und Unbehagen dem Tod gegenüber können sie rau formuliert zum Ausdruck bringen, oder skeptisch sachlich als unausweichliches Ereignis am Lebensende konstatieren.

 

Mit Kindern über den Tod reden
Mit Kindern über den Tod reden ist ganz gewiss keine leichte Aufgabe.
Eine “Checkliste” oder ein Rezept, wie sie in anderen Zusammenhängen vielleicht begegnen, kann es dafür nicht geben.
Zu sehr ist jede Antwort auf Kinderfragen abhängig von:

  • der jeweiligen Situation und Person des Kindes
  • vom Alter des Kindes
  • von der Art des Gespräches
  • von der momentanen Stimmung bzw. der inneren Stabilität der Gesprächspartner
  • vom Verhältnis der Gesprächspartner zueinander
  • von der Vorgeschichte, den Todes- und Krankheitsbedingungen
  • nicht zuletzt von der Übereinstimmung von Wort und Tat beim Erwachsenen.

 

Ein paar allgemeine Gedanken zum Gespräch mit Kindern über den Tod sind vielleicht dennoch hilfreich:

  1. Wann und unter welchen Umständen Kinder auch immer Fragen über den Tod stellen und darüber sprechen wollen, der Erwachsene darf niemals ausweichen oder gar vertrösten, in der Hoffnung, dass das Kind dann wieder vergisst, was der Erwachsene nicht beantworten will oder kann.
    Wenn die Zeit ungünstig ist, hat man selbstverständlich das Recht, den Zeitpunkt des Gespräches zu verlagern.
    Dabei ist es wichtig, diesen nicht auf ungewisse Zeit zu verschieben, sondern mit dem Kind einen festen Termin zu vereinbaren, um zu signalisieren, dass man das Kind ernst nimmt und vor der Frage nicht flieht, auch wenn man davor Angst hat.
  2. Alle Fragen sollen vom Kind gestellt werden dürfen. Sie sollen offen und ehrlich beantwortet werden, jedoch mit angemessener Einfühlungskraft und Vorsicht! (Wie hast du dir das gedacht?)
    Diese Behutsamkeit ermöglicht es, die kindliche Vorstellung zu erkunden und vermeidet unnötige Überforderung des Kindes.
    Ein Kind verlangt mit seiner Frage oft keine wissenschaftliche Erklärung, sondern Beruhigung und Klärung.
    Bei kindlichen Fragen ist immer auf die Motivation der Frage zwischen den Zeilen zu achten.
    Ggf. ist ebenso versteckt, symbolisch oder in Bilder zu antworten.
  3. Am Ende eines Gespräches sollte immer gefragt werden, ob das Kind mit der Antwort zufrieden ist bzw. die Antwort ausreicht.
    Es sollte in keinem Fall der Eindruck entstehen, es sei “jetzt endlich alles gesagt!”
    Angstmachende Antworten (jeder muß einfach einmal sterben) sind immer zu vermeiden.
    Glaubensvorstellungen, bildreich hoffnungsvolle Antworten aus der Hl. Schrift sind als großer Schatz der Trostmöglichkeiten zu sehen.
  4. Kinder sollen behutsam, trotzdem aber rechtzeitig auf den Tod vorbereitet werden, besonders, wenn ein nahes Familienmitglied in Gefahr ist zu sterben.
    Hier ist ganz deutlich und mit allem Nachdruck zu betonen, dass nicht die Konfrontation mit dem Tod, sondern die Erfahrung des Ausgeschlossenseins ein Trauma im Kind verursachen kann.
    Kleineren Kindern ist der Besuch von Sterbenskranken eher am Anfang der Sterbezeit zu ermöglichen.
    Jugendlichen darf durchaus ein Gespräch mit sterbenden Menschen zugemutet werden.
    Auch Krankenbesuche mit vielleicht erschreckenden Eindrücken müssen, wie ein Besuch bei Sterbenden, selbstverständlich altersentsprechend vorbereitet werden.
  5. Jeder Mensch bedarf in der Trauer der seelischen Hilfe und des Beistandes.
    Man kann helfen, indem man angst- und schuldbeladene Gefühle auszusprechen und zu bearbeiten hilft, um eine realistische Sichtweise des Geschehenen zu erzielen.
    Kinder sind auf wirklichkeitsnahe Weise auf bevorstehende Änderungen vorzubereiten (Trauer- und Abschiedsfeiern; siehe “Familie” noch vor der Beerdigung).
    Trauerfeiern finden am besten im vertrauten Kreis der Familie statt.
    Von Trauergottesdiensten sollten Kinder nicht ausgeschlossen werden, sondern vielmehr an der Seite eines vertrauten Menschen die Wirklichkeit in der Geborgenheit und im Schutz spürbarer Nähe erleben dürfen.
  6. Oft wird die Frage gestellt, wie viel ein Kind verkraften kann.
    Das ist u.a. abhängig von der Sensibilität, der Krativität und dem Wahrnehmungsvermögen dessen, der mit dem Kind spricht.
    Ein Kind sollte nie zum Reden gedrängt werden. Durch die Beobachtung seines Verhaltens während eines Gespräches ist oftmals zu erkennen, ob das Kind gesprächsbereit ist. Körpersprache ist gerade bei Kindern auf keinen Fall außer Acht zu lassen.
    Dabei gilt es immer zu beachten:
    Ein Trauergespräch mit Kindern ist sensibilisierendes, seelsorgliches Gespräch, nicht “Pseudotherapie”.

 

Ausdrucksformen von Trauer

  • Kinder können Gefühle nicht ohne weiteres benennen.
  • Was sie fühlen, zeigen sie meistens im Tun. (Spielen, Zeichnen, Selbstgespräche)
  • Unbewußt spiegelt sich ihre Gefühlswelt auch in körperlichen Reaktionen wider.(Appetitlosigkeit, unruhiger Schlaf, plötzliche Aggressivität, sozialer Rückzug)
  • Kinder haben immer den Wunsch, möglichst normal zu sein.
  • Was sie verunsichert, versuchen sie zu verdrängen.
  • Kinder reagieren auf Verluste oft mit Wut, z.T. ungerichteter Aggression, aber auch mit direkten Vorwürfen an die Eltern oder den “überlebenden” Elternteil.
  • Kinder trauern sprunghaft, fragen direkt, sind “himmelhochjauchzend zu Tode betrübt”.
  • Kinder fragen altersentsprechend viel zur Peripherie des Todes, in späterer Entwicklungsstufe dananch, was mit dem Toten selbst passiert.
  • Kinder haben oft “Wiedervereinigungswünsche” (decken den Tisch für Verstorbene).
  • Kinder trauern unmittelbar. Sie wollen traurig sein, wann sie wollen.
  • Kinder nehmen oft intensiv Kontakt zu Haustieren oder Plüschtieren auf. Diese sind immer verfügbar und hörend.
  • Kinder sind nicht gerne Außenseiter. Verständnis und Gesprächsmöglichkeiten: JA!
    Samthandschuhe: NEIN!
    Kinder reagieren oft mit Trennungsängsten
     

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