Abschied von dir und gemeinsamer Zeit
Abschied:
- von deinem Körper, durch den du bei mir warst
- von deinem Gesicht, das mir so vertraut war
- von deinem Lächeln, das mir so viel Freude schenkte
- von deinem Mund, der mir so viel Gutes zugesprach
- von deinen Händen, die mir Halt und Kraft gaben
- von deinen Armen, in denen ich so geborgen war
- von deinem Herzen, das mich mit Liebe umgab.
Abschied- von dir und gemeinsamer Zeit.
Danke dir!
Geh nur beruhigt
Geh nur beruhigt,
dort wartet schon der Engel am Tor.
Geh nur beruhigt, die Wege drüben sind leicht zu gehen,
weich ist das Gras unter den Füßen,
und klar ist die Luft wie nirgendwo sonst.
Geh nur beruhigt,
dort wartet schon der Engel am Tor.
Geh nur beruhigt,
drüben ist Liebe und Vergebung der Sünden.
Wunden heilen und Narben verblassen.
Wirf alle Lasten ab, mach dich leicht.
Geh nur beruhigt,
die Tür steht weit offen, du wirst schon erwartet.
Geh nur beruhigt,
sag „Vater ich komme heim!“
Lass los, was du hältst.
Mach dich wehrlos und offen für das Wunder
von Auferstehung und Verwandlung
Streck deine Hände aus.
Sieh!
Dort kommt ER dir entgegen.
(Ute Latendorf)
Laßt mir die Zeit!
Lasst mir die Zeit!
Der Schock ist zu groß –
Der Schmerz so unfaßbar,
ich fühle mich ganz leer –
wie ausgehöhlt.
Meine Seele ist erstarrt –
Mein Herz liegt wie ein Stein
in meiner Brust.
Alle, die es gut mit mir meinen,
sprechen auf mich ein:
„Leb doch wieder!“
„Wein doch nicht!“
„Laß das Klagen!“
„Verliere dich nicht an den Schmerz!“
„Rede mit uns!“
„Hasse nicht!“
„Raffe dich wieder auf!“
Alle, die es gut mit mir meinen,
sprechen eine fremde Sprache,
die ich nicht verstehe.....
Alle, die es gut mit mir meinen,
verstehen nicht,
dass ich Zeit brauche,
um meinem Tod zu sterben,
um in mich hinein zu weinen,
um schweigen zu können,
mich zu verlieren,
mich gehen zu lassen,
auch zu hassen, für eine Zeit,
für eine Zeit,
Zeit,
bitte, lass
mir doch nur dieses eine:
Zeit....
Ein jegliches hat sein Zeit;
und alles Vorhaben
unter dem Himmel hat
seine Stunde.
Prediger 3
Seid mir nahe, mehr nicht.
Während der Zeit meiner tiefsten Trauer,
wenn ich besonders dringend
einige Menschen brauche,
die mir nahe sind,
mache ich eine deprimierende Erfahrung.
Gerade jetzt sind mir manche von ihnen
besonders fern.
Sie meiden mich,
sie versuchen gequält, freundlich zu sein,
sie reden wirres Zeug,
sie sind völlig unsicher und verkrampft.
Es macht den Eindruck, als liefen sie vor etwas davon.
Ich möchte Euch Mitmenschen ermutigen,
Euch und mir nichts vorzuspielen.
Seid ganz natürlich, seid ehrlich,
das brauche ich jetzt besonders.
Habt Zeit für mich, das ist wichtig.
Sprüche und Ratschläge brauche ich nicht.
Weint mit mir,
statt über Eure Unsicherheit hinwegzuspielen.
Seid mir nahe, mehr nicht.
Rainer Haak
Der Segen der Trauernden
Gesegnet seien alle,
die mir jetzt nicht ausweichen.
Dankbar bin ich für jeden,
der mir einmal zulächelt
und mir seine Hand reicht,
wenn ich mich verlassen fühle.
Gesegnet seien die,
die mich immer noch besuchen,
obwohl sie Angst haben, etwas Falsches zu sagen.
Gesegnet seien alle,
die mir erlauben von dem Verstorbenen zu sprechen.
Ich möchte meine Erinnerungen nicht totschweigen.
Ich suche Menschen,
denen ich mitteilen kann, was mich bewegt.
Gesegnet seien alle,
die mir zuhören,
auch wenn das, was ich zu sagen habe,
sehr schwer zu ertragen ist.
Gesegnet seien alle,
die mich nicht ändern wollen,
sondern geduldig so annehmen,
wie ich jetzt bin.
Gesegnet seien alle,
die mich trösten und mir zusichern,
dass Gott mich nicht verlassen hat.
O Herr, berge Du uns alle in Deiner Hand,
nimm Du Dich unser an.
Bei Dir bleiben wir –
Ganz gleich, ob wir leben
oder schon gestorben sind.
Marie-Luise Wölfing
Erinnerung
Beim Aufgang der Sonne
und bei ihrem Untergang
erinnern wir uns an sie;
Beim Wehen des Windes
und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an sie;
Beim Öffnen der Knospen
und in der Wärme des Sommers
erinnern wir uns an sie;
Beim Rauschen der Blätter
und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wir uns an sie;
Zu Beginn des Jahres
und wenn es zu Ende geht,
erinnern wir uns an sie;
Wenn wir müde sind
und Kraft brauchen,
erinnern wir uns an sie;
Wenn wir verloren sind
und krank in unserem Herzen,
erinnern wir uns an sie;
Wenn wir Freude erleben,
die wir so gerne teilen würden,
erinnern wir uns an sie;
So lange wir leben, werden sie auch leben,
denn sie sind ein Teil von uns,
wenn wir uns an sie erinnern.
Aus den “Toren des Gebets”
Reformiertes jüdisches Gebetsbuch
Loslassen
Loslassen bedeutet nicht vergessen,
loslassen heisst nicht, nicht lieben,
loslassen ist nicht negativ,
loslassen ist nur,
nicht mehr festhalten,
loslassen,
im Jetzt sein,
hier sein,
die Vergangenheit loslassen,
im Augenblick leben,
vertrauensvoll und zuversichtlich,
Veränderungen annehmen,
der Kraftpunkt liegt in der Gegenwart.
(Petra Timm-Bortz 11.06.99)
Verabschieden
Ich muss mich verabschieden,
verabschieden von meinen Träumen,
verabschieden von meinen Wünschen,
verabschieden von meinem Kind,
verabschieden von einer Zeit der Hoffnung,
von einer Zeit des Glücks,von einer Zeit der Freude.
Aber das fällt mir so schwer,
diese Zeit habe ich immer wieder vor Augen,
ich weiss,dass ich
nicht daran festklammern darf,
ich loslassen muss.
So hoffe ich auf eine andere,
eine neue Zeit:
eine Zeit der Hoffnung,
eine Zeit des Glücks,
eine Zeit der Freude.
(Petra Timm-Bortz 22.11.98)
Für immer loslassen,
tut so weh,
für immer loslassen,
macht mich so traurig,
aber ich muss loslassen,
darf traurig sein,
muss den Schmerz ertragen,
- Loslassen und trotzdem
weiterlieben -
- Loslassen und trotzdem
weiterleben.
(Petra Timm-Bortz 25.09.98)
Neubeginn
Jeder Abschied bedeutet,
sich für Neues zu öffnen.
Ich muss loslassen,
um für Neues frei zu sein,
ich muss loslassen,
um mich auf
Neues einlassen zu können.
Immer wieder, im Leben so häufig
nehme ich Abschied,
werde wehmütig.
Erst wenn ich eine schöne Zeit,
etwas Schönes,
einen geliebten Menschen losgelassen habe,
fühle ich mich leichter,
erst
dann erkenne ich, dass loslassen bedeutet,
sich auf etwas Neues freuen zu können,
Loslassen bedeutet Neubeginn.
(Petra Timm-Bortz 30.05.99)
Jede Kerze an Weihnachten
Jede Kerze an Weihnachten
Licht
Das Jesus den Menschen brachte.
Jede Kerze an Weihnachten
Licht
Das unser Kind für uns war.
Jede Kerze an Weihnachten
Licht
In dem unser Kind jetzt ist.
Jede Kerze an Weihnachten
Zünden wir an
Für unser vorausgegangenes Kind.
Gabriele Richter
Gedanken zu Weihnacht
Wie wird es dieses Jahr,
jetzt wo du nicht mehr bei mir bist.
Wird der Baum auch so hell
erstrahlen wie früher
ohne das Strahlen in deinen Augen.
Werde ich fröhlich sein können
ohne dein Lachen zu hören.
Oder...
Werde ich weinen,
weil du mir gerade in dieser Zeit so fehlst.
Werde ich still sein,
weil alles ohne dich nur
noch halb so schön ist.
Ich denke, ich werde traurig und fröhlich,
laut und leise sein.
Eine Kerze ins Fenster stellen,
damit du sie siehst.
Und tief in meinem Herzen bist du dann bei mir
und das wird mich trösten.
Sonja Hernsdorf
Heute möchte ich
Heut’ möchte ich dein Engel sein,
am Tag und in der Nacht.
Ich schick’ dir einen Sonnenstrahl,
begleite dich ganz sacht.
Ich bin bei dir, was du auch tust
am Abend und am Morgen.
Ich bin bei dir, auch wenn du ruhst
und blase weg die Sorgen.
Ich trockne Deine Tränen sanft
mit meinen weichen Flügeln.
Wenn du nicht kannst, dann bin ich da
und übernehm’ die Zügel.
Ich leite dich, begleite dich,
geh ruhig deinen Schritt
!Ich schlafe nicht, ich bin dein Licht.
Ich gehe mit Dir mit.
Erdmute Wiarda
Ich bin deine Freude
Ich bin deine Freude –
Fürchte dich also nicht, froh zu sein!
Ich bin in deiner Not,
denn ich habe sie selbst erlitten.
Ich bin in deinem Tod,
denn heute, als ich geboren wurde,
begann ich mit dir zu sterben.
Und ich gehe nicht mehr weg von dir.
Was immer geschieht,
durch welches Dunkel dein Weg
dich auch führen mag-
glaube, dass ich da bin!
Glaube, dass meine Liebe
unbesiegbar ist!
Dann ist auch für dich Weihnacht.
Dann ist auch deine Nacht
Heilige Nacht.
Dann zünde getrost die Kerzen an –
Sie haben mehr recht
als die Finsternis.
Karl Rahner
Pflück dir einen Stern und geh zur Krippe
Ein Kind ist uns geboren.
Ein Kind hast du verloren.
Was hast Du zu suchen
an der Krippe im Stall?
Inmitten armseliger Glückseligkeit
von Eltern, die stolz noch
ihre Zukunft in Windeln wickeln.
Ein Kind ist uns geboren.
Ein Kind hast Du verloren.
Was hast Du zu suchen
an der Krippe im Stall?
Wo Ochs und Esel zärtlich hauchen
weht dich die Kälte des Grabes an.
Wo neues Leben als sanfte Hoffnung beginnt
und Himmel und Erde sich berühren,
wird dir dein Weiterleben
unter dem Kreuze eines viel zu frühen Todes
zur Hölle.
Ein Kind ist uns geboren.
Ein Kind hast du verloren.
Was bringst du dem Kind in der Krippe?
Die Untröstlichkeit deiner Trauer und
die Sprachlosigkeit deines Herzens.
Deine Todessehnsucht und
ein unendliches Heimweh nach der Ewigkeit.
Gegen das warme Blut der Fleischwerdung
setzt du blutleer eine Entbindung zum Tode und
die bitteren Wehen des Unwiederbringlichen.
Was du müde
im Marschgepäck der Trauer trägst,
darfst du getrost
dem Kind in der Krippe bringen:
Ohnmacht und Wut,
Klage und Anklage,
Zweifel und Verzweiflung.
Denn Dunkelheit und Licht
sind vor ihm gleich.
Ein Kind ist uns geboren.
Ein Kind hast du verloren.
Was bringt dir das Kind in der Krippe?
Die Gewissheit, dass die Mitte der Nacht
der Anfang des Tages ist.
Das Wissen, dass dieses zarte Kind
dein schweres Schicksal mit dir teilt.
Ein Kind,
geboren aus dem Dunkel der nächtlichen Erde:
nackt wie du, bedürftig wie du,
machtlos wie du,
auf dem Weg ins Ungewisse wie du.
Und dennoch leuchtet ein Licht,
das allen leuchtet,
„die in Finsternis sitzen und im
Schatten des Todes“(Lukas 1,79).
Ein Kind ist uns geboren.
Ein Kind hast du verloren.
Ein Kind hast du gewonnen
im Stall von Bethlehem.
Ein Kind ist dir geboren,
damit du nicht verloren
und mit ihm kannst durchs Dunkel gehen.
Pflück dir einen Stern
Und geh zur Krippe.
Ursula Goldmann-Posch


trauer-fundgrube