Menschenwürdig sterben
Viele Menschen fürchten den Tod, noch mehr aber fürchten sie ein menschenunwürdiges Sterben, das weder Erbarmen noch Barmherzigkeit mit dem Sterbenden kennt, das
weder Angst zuläßt noch Schwäche.
Die Seele muß mitkommen dürfen beim Sterben, echt sein dürfen. Alles andere widerspricht dem Grundrecht des Menschen auf Unversehrtheit seiner Person und seiner Würde.
Unsere Gesellschaft
verherrlicht einseitig Jugend, Schönheit, Karriere und Genuß. Doch zum vollen Leben gehören ebenso menschliche Schwächen, Gebrechen und Krankheiten. Und schließlich auch der Tod.
Hier beginnt unsere Hilflosigkeit, wenn wir direkt mit
Sterben und Tod konfrontiert werden, wenn wir einen Menschen, womöglich sogar einen nahen Angehörigen beim Sterben begleiten müssen.
Wie können, müssen wir ihm helfen? -
Es geht hier um die Hilfe beim Sterben, nicht um Hilfe zum Sterben.
Um aber einen Sterbenden sinnvoll begleiten zu können ist es notwendig, sich über verschiedene Dinge, wie Ort zum Sterben, die Phasen des Sterbens und vieles mehr
Gedanken zu machen.
So möchten wir Ihnen zunächst die einzelnen Sterbephasen ein wenig erläutern, denn gerade hier herrscht oft sehr viel Unverständnis und Ratlosigkeit.
Der Sterbeprozeß und seine Phasen
Sterben ist nicht ein einziger Schritt, sondern ein langer Weg mit vielen Stationen. Das Wissen darum ist bei der Begleitung Sterbender hilfreich.
1. Verdrängung, Abweisung, Rückzug
Der Sterbende ahnt etwas vom
bevorstehenden Tod, aber er verdrängt diesen Gedanken immer wieder.
Dies kann dazu führen, daß er ungewohnte Aktivitäten entwickelt, so z. B. Reisen plant, oder aber daß er sich innerlich zurückzieht, höchstens noch die Familie an sich
heranläßt.
2. Ärger, Protest, Mißtrauen
Protest, Ärger, Hader mit „Gott und der Welt“ führen zu der Frage: „Warum gerade ich?“
Wut und Zorn entladen sich gegen sich selbst und die Umwelt. Mißtrauen entsteht gegen die Ärzte und die Angehörigen, die mehr wissen als sie sagen. Man wehrt sich gegen seine Krankheit, will sie nicht annehmen.
3. Handeln um das Leben
Der Todkranke kann sein Schicksal immer noch nicht
annehmen. Er handelt mit den Ärzten, selbst mit Gott um sein Leben, möchte das Schicksal abwenden. Dahinter verbirgt sich jedoch tiefe Not.
In dieser Zeit ist es besonders wichtig, dem Sterbenden beizustehen, ihm aus der Phase des
„Nicht-wahr-haben-Wollens“ herauszuhelfen.
4. Depression und Widerstandslosigkeit
Der Sterbende gibt sich selbst auf, er hat keine Lebenskraft und keinen Lebensmut mehr:
Das Leben ist vorbei.
Der Todkranke zieht sich zurück, er will nur mehr einige wenige Menschen um sich haben.
Für die Angehörigen ist dieses abwehrende Verhalten oft unerträglich, doch gerade jetzt müssen sie dem Sterbenden
nahebleiben.
5. Annahme des Sterbens, Ergebenheit, Ruhe
Der Sterbende
akzeptiert nun den Tod. Der eine ergibt sich erschöpft in sein Schicksal, der andere geht bewußt den letzten Schritt. Es entsteht eine innere Gelassenheit, wodurch das Leben langsam losgelassen werden kann.
Zu beachten ist folgendes:
Nicht bei jedem Menschen vollziehen sich diese Sterbephasen gleich. Manche überspringen eine oder mehrere Phasen, andere wiederum bleiben in einer hängen. Gerade dann
ist es wichtig, dies zu erkennen und dem Sterbenden weiterzuhelfen.
Man muß die Sterbephasen kennen, um das Verhalten des Todkranken besser verstehen zu können und besser darauf reagieren zu können.
Denn sonst entstehen mitunter auch bei den Angehörigen Zorn und Unverständnis.
Bitten eines Sterbenden an seinen Begleiter:
Menschenwürdig sterben
Sterbephasen
Wünsche eines Sterbenden


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