Ein Lichterbote für dunkle Tage
Mit Kindern und Erwachsenen
von Verstorbenen Abschied nehmen -
Eine Stunde des Abschieds in der Adventszeit
Menschen, die trauern, wissen, was Dunkelheit bedeutet:
Dunkelheit schränkt den klaren Blick ein – Trennungsschmerz trübt die Sinne.
Dunkelheit nimmt die Weitsicht – Trauer macht sehend blind.
Dunkelheit verunsichert und ängstigt – Trauer lähmt.
Dunkelheit fordert alle Sinne heraus – Trauer ermöglicht zu begreifen, was geschehen ist.
Dunkelheit erweckt
Sehnsucht nach dem Licht – Trauer will zurückführen aus dem „Tal der Tränen“ in die Freude über ein Leben, das in dieser Welt zu Ende gegangen ist.
Trauer begegnet der Dunkelheit wie eine Freundin, die sie durch ihre vorsichtige und
einfühlsame Zuwendung langsam in Licht verwandeln will.
Die Zeit im Kirchenjahr, in der dieser Wechsel von Traurigkeit und Sehnsucht über Hoffnung und Erwartung hin zu Freude und Licht am deutlichsten und
eindruckvollsten zum Ausdruck kommt ist der Advent.
Das für unsere Breiten bekannteste Symbol auf dem Weg ins Licht ist der Adventskranz.
Die „Zweiglein der Glückseligkeit“ – wie es im Lied heißt - das Grün der Hoffnung windet
sich zum Kreis, Urbild des Ewigen, der der Welt die Hoffnung geschenkt hat. In der Mitte der Zeit erfüllt sich diese Hoffnung, indem die Liebe (rot) des Vaters in Jesus Mensch wird und der Welt, die in Finsternis und im Schatten des
Todes sitzt, das langersehnte Licht schenkt. Die Liebe hat gesiegt und ist seither der rote Faden für jeden, der im Geist Jesu Christi das Licht des Lebens sucht.
Was Advent bedeutet, das spüren trauernde Menschen hautnah!
Die vorliegende „Stunde des Abschieds“ will Adventszeit und Trauerzeit zusammenführen und die
darinliegenden Emotionen, Symbole und Gedanken aufgreifen, um zu erfüllen, was Jesaia uns im Namen Gottes aufträgt: „Tröstet, tröstet mein Volk!“
Gedacht und vorbereitet ist diese „Stunde des Abschieds“ für Kinder und Erwachsene, die
gemeinsam in der Adventszeit einen Menschen ans Grab begleiten müssen und sich in den Tagen zwischen Tod und Beerdigung Zeit nehmen wollen, ihre(n) geliebten N.N. bewusst und persönlich zu verabschieden.
In entsprechender Weise
angepasst, könnte sie natürlich auch zum „Totengedenken“ in der Adventszeit verwendet werden.
Diese „Stunde des Abschieds“ will jene Leere, die auf Erfüllung wartet, ernstnehmen.
Im Beten und Zusammensein soll denen, die die
Trennung und der Abschied verletzlich, unsicher, gelähmt, schweigsam,...,traurig gemacht hat, spürbar werden, dass unsere Hoffnung auf das ewige Licht des Lebens bei Gott in Jesus begründet ist.
Diese “Stunde des Abschieds“ möge den
Adventskranz zum Lichterboten in dunklen Tagen machen, sie will erahnen und begreifen lassen, dass die Liebe stärker ist als der Tod und die Dunkelheit keinen Bestand hat, wo dasLicht seinen Platz bekommt.
Zum Advent 2002
Thomas Schmid, Pfarrer
Vorüberlegung/Vorbereitungen
Diese “Stunde des Abschieds“ ist konzipiert für eine Zusammenkunft im Kreis der Familie (Kinder und Erwachsene). Ort ist
ein geeigneter Raum „zu Hause“, in dem ein Adventkranz gebunden werden kann. Allerdings braucht diese Stunde auch ein Umgebung der Ruhe und Innerlichkeit. Bei Möglichkeit ist an zwei Räume zu denken: einer zum Nachdenken, Reden und Beten
und ein anderer zum Basteln.
Beim Miteinander um einen Tisch sollte daran gedacht werden, daß die Feier durch nichts gestört wird (störende Gegenstände am Tisch usw.)
Musikgeräte und –Cd’s sind vorzubereiten und nahe beim Tisch
aufzustellen, damit keine Unruhe während der Feier entstehen kann.
Vorbereitung im Einzelnen
Ort:
Ein geeigneter Raum zu Hause
Größerer Tisch zum Basteln
Zeit:
in der Adventzeit
in den Tagen zwischen Tod und Beerdigung
(nahe) am Jahrestag des Todes im Advent
am späten Nachmittag, bei oder nach Anbruch der Dunkelheit
Materialien:
Wolken in grau und schwarz ausTonpapier (ca. acht bis zehn)
Foto des (der) Verstorbenen
Strohkranz zum Umbinden
Grüner Blumendraht
Grüne Nadelgehölzzweige
Rote breite Schleife (ca. drei Meter) (Wunschband!)
Vier rote Kerzen mit Kerzenhalter für den Kranz
Ein Teelicht für jeden Teilnehmer
Werkzeug:
Zündhölzer oder Feuerzeug
Cassettenrekorder oder Cd-Player
Musikcassette oder CD mit ruhiger Musik
Event. Arbeitshandschuhe
Schere, Zange
Goldfarbige Lackstifte
Ein Lichterbote für dunkle Tage
„Stunde des Abschieds“ für Kinder und Erwachsene in der Adventszeit
Eröffnung:
Die „Stunde des Abschieds“ wird mit einem Lied eröffnet. Weil das
Singen selbst aber in dieser Zeit schwer fällt, wird das folgende Lied vorgespielt bzw. der Text langsam vorgelesen.
Schwarze Wolken – kalte Nacht
Stehst du im Nebel deines Zweifels, siehst nicht nach vorn und nicht zurück, drückt dich die Angst wie schwarze Wolken und trüben Sorgen
deinen Blick, fang einfach an, mit dem zu reden, der über allen Dingen steht, der auch für dich und für dein Leben weiß, wie es morgen weitergeht.
Zur ersten Strophe legt der Leiter graue und schwarze Wolken in Kreisform abwechselnd in die Tischmitte.
Bete zu Jesus, er wird dich hören. Sag alles ihm, was dich bewegt. Vertraue ihm dein ganzes Leben und du erfährst, dass Jesus lebt.
Hier wird das Lied unterbrochen. Auf die schwarzen und grauen Wolken schreiben oder malen die Anwesenden jetzt, was sie gerade traurig macht, betrübt und ihnen das Licht der Freude raubt. Ist der Kreis wieder vollständig, wird die zweite Strophe vorgespielt/gesprochen.
Bist du enttäuscht von deinem Leben, weicht warmes Licht der kalten Nacht, hat man durch alle deine Pläne dir einen dicken Strich gemacht, fang einfach an dem zu vertrauen, der über deinem Leben steht, und der trotz allen Schicksalsschlägen weiß, wie es morgen weiter geht.
Bei den fettgedruckten Worten legt der Lt ein Bild des der Verstorbenen in den Kreis.
Bete zu Jesus, er wird dich hören. Sag alles ihm, was dich bewegt. Vertraue ihm dein ganzes Leben und du erfährst, dass Jesus lebt.
Bist du allein, hast keine Freunde, fühlst du dich wie ein Blatt im Wind, meinst du, du wärest ganz verlassen, einsam wie ein verirrtes Kind, fange doch an auf den zu hören, der nach dir fragt, der zu dir steht. Er sagt: „Ich will dich nie verlassen. Ich weiß ja, wie es weitergeht.“
Bete zu Jesus, er wird dich hören. Sag alles ihm, was dich bewegt. Vertraue ihm dein ganzes Leben und du erfährst, dass Jesus lebt.
Lichtgebet: „O Heiland reiß den Himmel auf“
Die Teilnehmer können nachfolgende Texte abwechselnd sprechen:
T1: Herr, reiß den dunklen Himmel auf und komm zu uns.
Wir wissen nicht, was wir dir sagen sollen.
Oft erkennen wir dich nicht, dein gutes Wort dringt nicht mehr an unser Herz und wir spüren nichts von deiner Nähe.
Zwei der Teelichter der Teilnehmer werden entzündet und auf die Wolken gestellt. Dazu
kann folgender Kyrieruf gesungen werden
T2: Herr, reiß den dunklen Himmel auf und komm zu uns.
Denn der Tod von N.N. hat sich wie eine Mauer zwischen uns und N.N. gestellt.
Hört er uns noch? Ist sein Herz noch offen für uns?
Zwei der Teelichter der Teilnehmer werden entzündet und auf die Wolken gestellt. Dazu kann obiger Kyrieruf gesungen werden
T3: Herr, reiß den dunklen Himmel auf und komm zu uns.
Komm zu uns, wenn wir traurig und hilflos sind.
Und wenn wir uns bei N.N. noch für irgendetwas entschuldigen wollen, dann komm uns zu Hilfe mit deiner Kraft. Komm und hab auch Erbarmen mit N.N., wenn er in seinem Leben Fehler gemacht hat.
Zwei der Teelichter der Teilnehmer werden entzündet und auf die Wolken gestellt. Dazu
kann obiger Kyrieruf gesungen werden
T4: Herr, reiß den dunklen Himmel auf und komm zu uns.
Komm in unser Haus und in unsere Familie.
Lass uns wieder auf dich hören und von dir reden, lass uns aufmerksam sein für dich, der Licht in jede Dunkelheit bringen will.
Zwei der Teelichter der Teilnehmer werden entzündet und auf die Wolken gestellt. Dazu
kann obiger Kyrieruf gesungen werden
Lt: Vater, reiß den dunklen Himmel auf und komm zu uns.
Aus deinem Herzen sende uns das versprochene Licht: Jesus, deinen Sohn, das Licht vom
himmlischen Licht, in dem wir N.N. geborgen wissen.
Du bist der Lichtblick in unserer Dunkelheit, in deinem Licht erkennen wir, dass Gott ein Herz für
jeden von uns hat, er kann vergeben und schenkt immer wieder einen neuen Anfang: Denen, die in der Welt leben und denen, die für immer im Himmel leben dürfen. Wir danken dir, dass du uns in
jeder Dunkelheit mit dem Licht deiner Liebe umgeben willst.
Verborgener Gott, du hast Menschen immer wieder durch helle und dunkle Zeiten geführt. Immer
wieder hast du Menschen zu Menschen geschickt, dass sie einander trösten und so das Licht in die Dunkelheit ihrer Seele zurückholen:
Lied: „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht...“
Verkündigung – „Tröstet, tröstet mein Volk...“
Lesung aus dem „Trostbuch“ des Propheten Jesaia
Kann von einem Teilnehmer gelesen werden
Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott. Redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt, dass ihr Frondienst zu Ende geht, dass ihre Schuld beglichen ist;
Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel soll sich senken. Was
krumm ist, soll gerade werden und was hügelig ist, werde eben. Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, alle Sterblichen werden sie sehen. Ja, der Mund des Herrn hat
gesprochen. Mit wem wollt ihr mich vergleichen? Wem sollte ich ähnlich sein?, spricht der Heilige. Hebt eure Augen in die Höhe und seht: Wer hat die Sterne dort oben geschaffen? Er ist es, der ihr
Heer täglich zählt und heraufführt, der sie alle beim Namen ruft. Vor dem allgewaltigen und Mächtigen wagt keiner zu fehlen.
Warum sagst du: Mein Weg ist dem Herrn verborgen, meinem Gott entgeht mein Recht? Weißt du
es nicht? Hörst du es nicht? Der Herr ist ein ewiger Gott, der die weite Erde erschuf. Er wird nicht müde und matt, unergründlich ist seine Einsicht. Er gibt dem Müden Kraft, dem Kraftlosen verleiht
er große Stärke. Die Jungen werden müde und matt, junge Männer stolpern und stürzen. Die aber, die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, sie bekommen Flügel wie Adler. Sie laufen und
werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt. (Jes 40, 1-5.25-31)
Lied: „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht...“
Wüste und Steppe des Todes:
Lt: Unser N.N. ist aus diesem Leben gegangen.
Dort wo er ist – ist dort kein Leben?
Ist es dort wie in der Wüste und der Steppe?
Ist dort alles wie ausgedorrt und abgestorben?
Lt legt den Strohkranz um das Bild des/der Verstorbenen.
Die „Zweiglein der Glückseligkeit“
T1. Wir wünschem unseren N.N. nicht Wüste und Steppe, nicht den Tod!
Wir wünschen ihm eine neue Welt im Himmel, in der alles lebt und grünt.
Lt teilt grüne Zweige aus und fängt an, diese auf den dürren Strohkranz zu legen.
T2: Wir wünschen N.N. dass sich seine Hoffnung und unsere Hoffnung auf das ewige Leben im Himmel erfüllt.
Das ewige Licht
T3: Und wir wünschen N.N. nicht dunkle Wolken der Angst und des Leides!
Wir wünschen ihm das Licht, das alles wieder für immer hell macht, was das Leben (die Krankheit) dunkel gemacht hat.
Lt stellt die vorbereiteten vier Kerzen zum grünen Kranz und dem Bild.
T4: Wir wünschen N.N., dass es für ihn nie mehr etwas Dunkles gibt. Nur noch im Licht soll er
leben. Und dieses Licht soll nie mehr aufhören, so wie der Kranz in unserer Mitte kein Ende hat!
Es leuchte ihm das ewige Licht!
Das Band der Liebe
Lt: Alles, was wir um das Bild von N.N. gelegt haben, ist ein Geschenk für ihn: unsere Wünsche,
unsere Gebete, unsere Gaben. All das, was in unserer Mitte ist, ist aber noch ziemlich locker, und beim ersten Wind würde alles wieder auseinander fallen, die Lichter würden ausgehen und wir wären wieder traurig.
Alles, was wir geschenkt haben, muß noch Halt bekommen. Es sollen ja nicht nur Geschenke für heute sein, sondern für lange Zeit!
Es gibt auch ein Band, das alles zusammenhält:
- Ein Band, das uns mit N.N. für immer verbindet
- Ein Band, das die Hoffnung zusammenhält
- Ein Band, das dafür sorgt, dass man in Hoffnung Lichter leuchten sieht.
Lt legt ein rote Schleife in die Mitte und rollt sie wie ein Tischband über den Tisch.
Dieses Band ist das Band der Liebe, wenn wir es jetzt zum Band unserer Liebe zu N.N. machen, indem wir einen lieben Wunsch auf das Band schreiben.
Lt teilt die Lackstifte aus und leitet an, Abschiedswünsche auf das Band der Liebe zu schreiben (Danke für deine guten Worte, danke für dein Lächeln....) Dazu kann ruhige Musik gespielt werden.
Der Kranz der Hoffnung, der Liebe und des Lebens
Lt: Wir haben alles in unsere Mitte und in unsere Herzen geholt, um für N.N. unsere Hoffnung, unsere Liebe und das Leben zu einem Kranz ohne Anfang und Ende fest zusammenzubinden.
Wir binden einen Adventskranz, d.h. einen Kranz der Ankunft, einen Willkommenskranz. Wir binden den Kranz, der uns zeigt, dass Gott zu jedem kommt, der ihn bei sich willkommen heißt.
Die Familie bindet miteinander einen Adventskranz, der dann auch in den
Beerdigungsgottesdienst miteingebracht wird.
Abschluss:
Nachdem der Kranz fertig ist, betet die Familie zum Abschluss:
Wir wollen für N.N. beten:
Vater unser.....
Gegrüßet seist du Maria...
O Herr, gib ihm/ihr die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihm/ihr. Herr, laß ihn/sie ruhen in Frieden. Amen.
Segen
Lt:
Der Herr segne euch (uns) und behüte euch (uns);
Der Herr lasse sein Angesicht über euch (uns) leuchten und sei euch (uns) gnädig;
Er wende euch (uns) sein Antlitz zu und schenke euch (uns) seinen Frieden.
Das gewähre euch (uns) der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist:
A: Amen.
Schlußlied: „Von guten Mächten wunderbar geborgen...“
Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last,
ach, Herr, gib unsren aufgescheuchten Seelen das Heil, für das du uns bereitet hast.
Und reichst du uns den schweren Kelch den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand.
Doch willst du uns noch einmal Freude schenken an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken, und dann gehört dir unser Leben ganz.
Laß warm und still die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.
Wenn sich die Stille tief nun um uns breitet, so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang.
Dietrich Bonhoeffer
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....Und man sagt mir, die Nacht sei der Tag!
Gedanken zum Heiligen Abend von Pfarrer Thomas Schmid
Nicht mehr lange und es beginnt die spannenste Zeit des Jahres. Es ist die Zeit, in der man die Tage zählt, aus Freude oder aus Angst.
Es ist die Zeit, in der die Nächte immer länger werden – sie mit stimmungsvollem
Adventslicht zu erleuchten oder sie unerträglich schwer zu spüren, wie einen undurchsichtigen Mantel, der sich um die Seele legt.
Es ist die Zeit, in der wir auf das große Fest zugehen, an dem wir mitten in der Nacht an der Krippe des
Kindes von Betlehem das Leben selbst feiern.
Es ist die Zeit, in der wir sooft hören, dass die „Mitte der Nacht der Anfang eines neuen Tages ist“, dass die Nacht der Tag sei, dass im Kind ein Neuanfang geboren sei!
Für viele klingt diese Weihnachtsbotschaft vertraut und wohlig, sie gibt dem Heiligen Abend das gewisse Etwas, den Zauber, den man an diesem Abend einfach braucht.
Die frohe Botschaft vom Kind klingt süß und
anrührend, bringt Zartheit und viel Emotion mit sich – aber wie mag diese Botschaft klingen, wenn sie an das Ohr eines Menschen gelangt, der an einen Neuanfang im Kind nicht glauben kann, weil er das Gegenteil erlebt hat, weil ihm durch
den Tod seines Kindes alles in der Nacht zu versinken droht, weil die Freude machtlos ist gegen das Leid und den Schmerz der Trennung in seiner Seele? –
Diese Botschaft, die die einen strahlend feiern wird den anderen zur Frage:
„Woher nehm’ ich die Kraft, noch auszuhalten?
Woraus soll ich leben, wenn der Tod meines Kindes mir jede Hoffnung auf eine Zukunft
aus dem Herzen gerissen hat?“
Die Botschaft vom Leben der Welt durch das Kind in der Krippe kann so übermächtig werden, dass man in die Knie sinkt – nicht vor Ehrfurcht, sondern vor Trauer und Hilflosigkeit:
„Das Licht sei mir ganz nahe, behaupten sie, obwohl die Finsternis mich überfällt!“
Nicht auf der Seite des geretteten Volkes Israel fühlen sich die Eltern ohne ihr Kind.
Nein, sie fallen zurück in die Reihen derer, die nach dem Leben und dem Erlöser rufen.
Nicht die Feier des Lebens
ist der Heilige Abend für sie, Nacht tiefster Sehnsucht erleben sie und warten darauf, dass ihre tief verwundeten Herzen in dieser Nacht Heilung erfahren.
Doch:
„Bekannte tun, als wäre ich fremd!
Freunde und Verwandte bleiben aus...!
Oder sie kommen und sagen mir die Nacht sei der Tag!“
Was kann heilen in dieser Nacht, was trösten? –
Es sind nicht die langen Reden, nicht viele Worte, Erklärungsversuche oder gar Belehrungen.
Es gilt nicht den Kummer, das Leid und die Not dieser Nacht
klein zu reden oder die Tiefe der Nacht zu bagatellisieren.
Was so trostvoll sein könnte ist das Mitfühlen, das Dasein, das sich anrühren lassen, das Schweigen, Aushalten, Mitleiden und Zuhören.
Vielleicht liegt darin der Weg von der Verwundeten Nacht zur Heilenden Nacht verborgen.
Vielleicht ist es die Herausforderung dieser Nacht für alle, die in der Trauer begleiten dürfen, dass sie das Kind von
Betlehem, die Hoffnung auf einen neuen Morgen nach dunkler Nacht in ihr Herz aufnehmen, um sie daraus weiterschenken zu können.
Vielleicht müssen die Begleiter durch die Nacht zuerst das Kind in sich lebendig werden lassen, dass Gott mit ihrem Gesicht, mit ihren Worten, mit ihrem Zuhören, mit ihren Gesten und ihrer Zuwendung denen verborgen begegnet, die ihr Kind dem Tod überlassen mussten und deshalb erst einmal mit „diesem grausamen Gott“ abgeschlossen haben.
Ein Stern in dunkler Nacht könnte sein, wenn trauernde Eltern dem Erlöser im Angesicht des Freundes, der Freundin begegnen dürfen. Das Reich Gottes könnte dann in der Nähe zwischen sich wortlos verstehenden Menschen Bahn brechen – Gott könnte in der Nähe anderer Menschen spürbar und erreichbar werden.
Leise und mit Sanftmut könnte sich so in der tiefen Nacht die Flamme der Liebe neu entfachen. Jede verstehend angenommene Träne könnte zur kleinen Botin des Erlösers werden, weil sie die Seele von jenem Druck erlöst, der so gnadenlos in die Knie zwingen kann. Jede Hand, die tröstend hält, könnte aufrichten und neuen Halt geben. Offene Arme könnten ermutigen, sich fallen zu lassen aus der Macht des ewigen „Warum?“ in die Macht der friedensstiftenden Liebe eines Menschen, dem ich vertraue – mich anvertraue.
Es verlangt unwahrscheinlich Mut, sich in der tiefsten Nacht des Jahres für Nähe zu öffnen, aber wem es gelingt und wer Freunde hat, die unseren Gott in sich tragen, der kann vielleicht – der kann hoffentlich zumindest
einen Hauch der Weihnachtsbotschaft an sich herankommen lassen, der ihnen ans Ohr trägt:
„Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“ Ich weiß, dass das Leben lebt, das mir aus den Händen genommen wurde. Ich weiß, dass ich mich traurig freuen darf, weil auch meine Nacht zum Tag werden kann.
Kursiv gedruckte Textstellen: s. Hl. Schrift, AT, Buch Jiob
Thomas Schmid, Pfr.
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Gedanken für Trauernde und ihre Begleiter
Weinen - und die Gewissheit haben, dass einer da ist, der nicht nur abwartet, sondern wartet,
Licht für mich!
Lachen - und die Gewissheit haben, dass einer da ist, der nicht auslacht, sondern mitlacht.
Licht für mich!
Reden - und die Gewissheit haben, dass einer da ist, der nicht nur hinhört, sondern zuhört.
Licht für mich!
Schweigen- und die Gewissheit haben, dass einer da ist, der mit mir die Stille ertragen kann.
Licht für mich!
Und Gott spricht: Ich habe dich, ja dich zum Licht für die Völker gemacht!
WER SICH IN DIE NACHT WAGT...
Wer sich in die Nacht der Menschen wagt, muss ohne Unterlass sich sagen,
dass Gott als Mensch zum Menschen gekommen ist.
Er hat die Nacht der Menschen
nicht im Glorienschein erstickt, sondern jeden angenommen, um ihn in schmerzvoller Liebe aus dem Dunkel zu führen.
Wer sich in die Nacht der Menschen wagt, muss ohne Unterlass sich sagen,
dass er gesandt ist mit den Weinenden zu weinen und die Tränen als wortloses Gebet zu verstehn!
Er ist gesandt, das Schweigen zu schützen, damit Raum wird für die Sprache der Herzen.
Wer sich in die Nacht der Menschen wagt, muss ohne Unterlass sich sagen:
Jezt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde ganz da zu sein, ohne sich allzu schnell
auf den Flügeln schöner Worte ins erdachte Morgen zu fliehen.
Wer sich in die Nacht der Menschen wagt, muss ohne Unterlass sich sagen:
Du bringst Gott auch ohne salbungsvolle Worte. Es ist so viel, wenn Herz zu Herz spricht.
Wer sich in die Nacht der Menschen wagt, muss ohne Unterlass sich sagen:
Es braucht Zeit vom Kopf zum Herz -
Es braucht Zeit, sich eins zu werden -
Es braucht Zeit, erfüllt von bemühtem Verstehen statt qualvoll leeren Erklärungsversuchen.
Wer sich in die Nacht der Menschen wagt, muss ohne Unterlass sich sagen:
Was jetzt berührt sucht nach Begreifen.
Nimm die Scheu und zeig’ durch Nähe,
dass zwar das Leben, nicht aber die Liebe dem Tod erlegen ist.
Wer sich in die Nacht der Menschen wagt, muss ohne Unterlass sich sagen:
Dass auch die leiden, die erstarrt sind im Schweigen.
Höre auch “das stille Schreien” derer, denen es die Stimme verschlagen hat!
Wer sich in die Nacht der Menschen wagt, muss ohne Unterlass sich sagen:
Dass einer schon vor ihm in die tiefste Nacht vorausgegangen ist, in der Einfalt
und mit der unwiderstehlichen Liebe eines Kindes:
“Habt Mut, fürchtet euch nicht, seht, hier - mitten in der Nacht - ist euer Gott !”
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Ohne Dich......
Meditation zur Weihnachtszeit - nach dem Tod eines Kindes
Siehe --> “Kinder: Trauerbegleitung”!
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„Der kleinste Stern vertreibt die größte Nacht“
Weihnachtliche Andacht für trauernde Eltern
Begrüßung:
Es ist gut, daß wir uns hier und jetzt zusammengefunden haben und
uns auf das einlassen, was uns in diesen Tagen geschenkt wird, nämlich die Geburt des Herrn. Der Glaube an das ewige Leben in Gott und daß die Verstorbenen in Gemeinschaft mit uns leben, soll uns Hoffnung sein, daß sich die angstvollen und
lähmenden Gedanken und Gefühle der Zeit unmittelbar nach dem Tod unserer Liebsten wandeln dürfen in gute und schöne Erinnerungen an eine erfüllte gemeinsame Zeit.
Lesung: Jes 9/1,5
Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die
im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf.
Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter, man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des
Friedens.
Gedanken:
Advent – Erwartung – Zeit des Wartens
Unser Advent hat schon lange angefangen – und wir wissen nicht, wann er enden wird.
Jeder Mensch ist in Erwartung – auf ein schönes, friedvolles, erfolgreiches Leben.
Unerwartet – kann sich alles ändern.
Unerwartet – hat sich für uns alles verändert.
Advent – eine schwierige Zeit für uns. Weil unser Kind nicht da bist, weil es nie mehr da sein wird.
Diese Zeit ist deshalb so schwer für uns, weil es eine Zeit der Erwartung ist - und
unsere tiefsten Wünsche doch nicht mehr erfüllt werden.
Aber du Herr, hast uns durch die Geburt deines Sohnes Licht in die Dunkelheit gebracht, ein Licht, dem wir folgen wollen, das uns aufrichtet, wenn wir wieder einmal ganz unten sind, das uns aber auch begleitet, wenn
wir – und das ist sehr wichtig für uns – auch einmal wieder fröhlich sein können.
Dieses Licht leuchtet auf unserem Weg, zu diesem Licht wollen wir mit unserer ganzen Kraft hingehen.
Wenn uns das gelingt, dann wird es auch in uns
wieder hell, trotz aller dunklen Zeiten, die immer wieder einmal kommen.
Lied: Menschen auf dem Weg...
Du schenkst uns dieses Licht – wir aber müssen nur bereit sein, das Licht in uns aufzunehmen und es in uns leuchten zu lassen.
Wechselgespräch:
Ich habe mich in meiner Trauer eingerichtet, ich will nichts um mich
herum sehen, ich brauche nichts und niemanden.
Wach auf – ruft dir dein Kind zu: das Licht will dir doch deine Trauer nicht nehmen, es will dir die Trauer nur leichter machen.
Ich fühle mich wohl in meiner Trauer, in
meiner Dunkelheit, ich sehe das Licht zwar, aber ich brauche es nicht, ich nehme es nicht an.
Wach auf – ruft dir dein Kind zu: nur wenn du das Licht aufnimmst, es in dir leuchten läßt, dann erst kannst du ganz bei mir sein. Denn ich
bin im Licht.
Ich bin in meiner Trauer fest verwurzelt, das reicht mir, ich brauche keine Feste, keine Feiern, keine Freude. Ich brauche kein Leben mehr um mich.
Wach auf – ruft dir dein Kind zu: Ich möchte nicht sehen,
daß du in deiner Trauer stehenbleibst, lebe doch wieder dein Leben, auch wenn es anders ist, gehe weiter, dem Licht entgegen, mir entgegen. Ich bin im Licht, nimm das Licht auf. Es ist gut für uns – für dich und für mich.
Meditative Musik:
Gedanken:
Weinen – und die Gewissheit haben, daß einer da ist, der nicht nur abwartet, sondern wartet.
Licht für mich.
Lachen – und die Gewissheit haben, daß einer da ist, der nicht auslacht, sondern mitlacht.
Licht für mich.
Reden – und die Gewissheit haben, daß einer da ist, der nicht nur hinhört, sondern zuhört.
Licht für mich.
Schweigen – und die Gewissheit haben, daß einer da ist, der mit mir die Stille ertragen kann.
Licht für mich.
Stille:
Fürbitten:
Jetzt und hier wollen wir uns gegenseitig Mut machen, dem Licht,
das Gott uns durch die Geburt seines Sohnes geschenkt hat, zu folgen, dieses Licht in uns aufzunehmen und es in uns wirken zu lassen:
(Fürbitten können abwechselnd von den Teilnehmern gelesen werden; bei jeder Fürbitte kann ein
Teelicht in die Mitte der Riunde gestellt werden.)
Lied: Tragt in die Welt nun ein Licht..
Gebet:
Allen, die in der Heiligen Nacht Grund haben zu weinen –
Ihnen sei folgendes Gebet auf die Lippen gelegt:
All meine Tränen, die ich heute weine, versiegen nicht achtlos im Kopfkissen.
Sie werden sich verwandeln.
Herr, laß mich nicht daran verzweifeln, daß ich noch nicht weiß wozu sie dienen.
Lied:
Tauet Himmel den Gerechten....
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trauer-fundgrube